Bitte aussteigen, die Familienzeit endet hier. Eine Weiterfahrt ist nicht geplant.

 

 

So, es ist real.

Es ist nicht wie anderes Erlebtes, das spüre ich ganz deutlich. Das (letzte) Kind ist ausgezogen. Die Kinderrolle wurde beim Umzug nicht mitgenommen und damit fragt sich, was mit der Elternrolle geschieht?

Elternteil bleibst du, allerdings nur noch als stiller Teilhaber. Du bist raus aus dem aktiven Tagesgeschäft, wo die Klingel an der Tür noch allen galt.

Da stehst du nun und winkst guteswünschend hinterher, was bedeutet: du bleibst zurück. Endgültig amtsenthoben.

Erst mal guckst du lange nach, begreifst nicht, warum du winken sollst.

Dann drehst du dich um und schaust, ob alles andere jetzt auch weg ist? Ist es nicht. Deine Welt ist wie immer, nur dass sich ein Merkmalkomplex daraus abgekoppelt hat. Das irritiert dich. Du schaust noch mal genauer hin und stellst fest, dass du das Vertraute auf einmal anders ansiehst. Was genau ist dir da vertraut, warum ist es vertraut geworden? Seit wann? Deine Welt ist doch nicht wie immer.

 

Bitte einsteigen, der Zug fährt zurück.

Haltestelle Vergangenheit. Zu irgendeinem Zeitpunkt bist Du Mutter geworden. Davor warst Du Einzelmensch mit Vornamen, danach wurdest Du Zweimalmensch mit zwei Vornamen. Unlösbar. Auf Schritt und Tritt läuft ein Menschlein mit. Du baust Deine Welt um, damit sie für beide passt. Mindestens für beide. Dein Vorname steht an der Klingel, der Vorname deines Kindes auch. Die Unlösbarkeit der Mutter-Kind-Sache erhält seine Ewigkeit und ohne es zu merken, beziehst du die Äußerlichkeiten in diese Ewigkeit mit ein. Du betrittst damit die berühmte „Familienphase“, aber Phase ist ein leerer Begriff, wenn Ewigkeit mit im Spiel ist.

Viele viele Jahre gehen ins Land, der Einzelmensch hat seine Zeit abgezweigt, um sie der Familie zur Verfügung zu stellen.

 

Jetzt bitte wieder einsteigen, der Zug fährt vor.

Du schaust noch mal in Richtung deines weggegangenen Kindes und dann nach vorn. Du bist der Drehpunkt in dieser Besetzung. Du. Stimmt, du. Es ist verblüffend, man selbst. Auch das fühlt sich fremd an. Ich sehe auf mich wie auf eine andere Person. Ich werde regelrecht greifbar. Ja stimmt, die Erinnerung kommt ganz langsam, das war ich auch mal… der Einzelmensch mit meinem Vornamen.

Es wird Raum frei, der vorher gefüllt war. Ganz neutral. Er öffnet sich Stück für Stück, nicht von jetzt auf gleich. Es fängt mit dem Ausbleiben einer Gegenwart am Mittagstisch an. Das wäre dann äußerlich. Innerlich bedeutet es, dass man sich auf niemanden einlassen braucht. Was macht man, wenn man alleine am Mittagstisch sitzt? Naja, man deckt ihn vielleicht gar nicht erst, kommt einfach später. Oder man kocht nicht mehr die Schnittmenge sondern das, was man selbst am liebsten isst. Da fängt es an, spürbar zu werden, dass ich mehr vom Raum fülle. Mein Essen, meine Zeiteinteilung.

 

Reset. Back to the roots. Beinahe.

Deine Zeituhr ist nämlich weitergelaufen. Das berühmte Merkmal „Familienphase“ ist beendet. Bedeutet, das Zeitkontingent der Einzelperson mit Vornamen ist geschrumpft, was du ungläubig überhaupt nicht fassen kannst. Der Einzelmensch fühlte sich vor der Zweimenschphase schließlich zeitlos unsterblich, wie es alle junge Menschen tun. Das war deine Realität, als Du in die Zweimenschphase eingetreten bist. Sie ist heimlich Realität geblieben. Aber jetzt? Zeit! Zeit weg. Zeit gibt´s? Zeit gibt´s! Für einen Moment legst du einen sensationellen Zeitrutsch hin, deine Mittvierziger fühlen sich an wie der Eintritt ins Greisenalter.

Dann die nächste Neuentdeckung eines eigentlich bekannten Zusammenhangs: du bist seit Zweimenschbeginn tatsächlich auch zweizugig gefahren, weshalb es jetzt einerseits möglich ist, dass einer der Züge abbiegt und jene Weiche nimmt, die du nicht nehmen kannst, andererseits fühlt es sich enorm fremd an, dass einer der Züge deiner ist und du nun alleine auf dem Gleis weiterfährst.

Langsam wird ein Schuh draus: ein Zug hat abgedreht, der andere ist deiner. Wohin darfs denn gehen? Alles ist möglich. Muss nicht mehr das Kinderparadies sein.

 

Dann vollzieht sich folgendes:

  1. Erst einmal bleibst du stehen. Der donnernde Zug durch die Familienphase bleibt einfach stehen. Ein großes „Hä!?“ füllt dich aus.
  2. Dann durchwanderst du deine Erinnerungen an früher. Das, wo dein Kind gerade anfängt, dort fängst du auch wieder an… zu suchen. Nach Altvertrautem, nach einstigen Freuden, Zielen, Parolen, nach dir, nach einem Anknüpfpunkt.
  3. Dann gleichst du deine Selbstwiederentdeckung mit dem Wissen von heute ab.
  4. Du entdeckst, dass du nie mehr die sein wirst, die du vorher mal warst. Brauchst sie also gar nicht abzuholen. Es gibt sie nicht mehr.
  5. Aber irgendwas gibt es immer noch. Das ist deine innere Wesensstimme. Zeitlos und unveränderbar.
  6. Du hörst hin, ganz intensiv, lauschst. Und plötzlich kommt es durch, wie eine Gestalt aus dem Nebel. Freude! Echte Freude kommt auf: es gibt „dich“ immer noch. Und man ist erst Mitte Vierzig, weit vom Greisenalter entfernt. Plötzlich wird dein Wissen von heute ein Vorteil, denn du kannst viel gezielter dein „du“ durch die Zeit führen, als du es als junger planloser Mensch konntest.
  7. Da sitzt du also am Steuerpult deiner Lok und hast alle Hebel in der Hand, die du brauchst, um die Lok in Gang zu bringen. Du alleine darfst aussuchen, wohin es geht, mit dir.

Wisst ihr was? Genau in der Phase bin ich jetzt. Ich habe die Hebel in der Hand und freue mich über die ersten kleinen Ausflugsfahrten, damit ich üben kann, wie es ist, den Zug wieder alleine in die ganz eigene Richtung steuern zu dürfen. Wie früher.

Die Sachzwänge sind andere geworden, die sozialen Strukturen auch. Aber ich kann ja überlegen, was davon ich so fortführen möchte und was ich doch lieber mal ändere, weil: Zeit existiert tatsächlich! Und wenn es schon mein Zug ist, gehört er schließlich auch auf mein Gleis gesetzt. An andere Züge einfach dranhängen gilt nicht.

 

Epilog

Ich kann verstehen, dass in dieser Phase manche Ehe auseinandergeht. Dann ist es aber auch gut so, jeder Zug muss auf seinem richtigen Gleis fahren, sonst fährt er das Leben eines anderen ab und wird sich darin nicht wiederfinden.

Sollte man aber entdecken, dass die Gleise des Partners parallel verlaufen, ist es ein Geschenk. Und eine Verpflichtung, schön auf seiner Schiene zu bleiben, damit es nicht zur gemeinschaftlichen Entgleisung kommt.

 

Mit dem Rad durch Cornwall – März

 

26. März – 2. April 2017

Fähre nach Cornwall

Wir haben uns viel vorgenommen und es gleich nach Verlassen der Fähre über Bord geworfen. Angedacht war eine Radreise von Wadebridge bis Landsend. Wir wussten, dass es in Cornwall hügelig ist. Aber nicht, was hügelig bedeutet. Die Anstiege (die uns manchesmal vom Rad haben absteigen lassen) sind aber nicht der Grund allein, dass es diesmal nur 198 km statt der geplanten 400 km geworden sind…

…Es wäre einfach viel zu schade gewesen, durch Cornwall zu fahren, statt in Cornwall zu sein!

Wieder sind wir mehr oder weniger die Ersten, die Saison startet erst am 1. April. Die Trails und all die höfliche Aufmerksamkeit der Cornish People gehört also uns.

Als Reisekamera haben wir die Fuji XPro 2 mit einer 50mm Festbrennweite dabei.

 

Die Route

  1. wir verbringen die erste Nacht im Park Farmhouse B&B (*bestes full british breakfast!) in Wadebridge und lassen dort unser Auto stehen
  2. von Wadebridge geht´s über den Camel Trail nach Bodmin und weiter nach St. Austell
  3. von St. Austell über die Lost Garden of Heligan (*s.u.) und über Mevagissey und Portmellon nach Portloe, wo wir uns den Luxus des Lugger Hotels leisten (*hier lernen wir zwei ältere Paare mit zwei sehr schönen Geschichten kennen. Eines der charismatischen Paare betreibt in der Nähe von Devon einen naturbelassenen Rückzug. Wir werden ihn besuchen)
  4. von Portloe nach Truro
  5. von Truro nach Newquay
  6. von Newquay über Treyamon nach Trevone
  7. von Trevone über Padstow nach Wadebridge und nochmal über den Camel Trail hintenrum über St. Mabyn
    zurück zum Park Farmhouse B&B

 

Die Engländer und ihr Image

  • Regen in Cornwall

Es ist unser erstes bewusstes Mal in Südengland und uns schallt das Image der Briten im Ohr:

  • Rosamunde Pilcher
  • schlechtes Essen
  • Brexit
  • der Engländer ist reserviert und tendentiell abweisend
  • schaurige Einrichtungen
  • Regen
  • fahles Bier
  • …und sie mögen die Deutschen nicht?

 

Und jetzt die Fakten

  • Lost Gardens of Heligan

Alles Unfug. Die Briten können´s. Egal was. Brexit ist nicht alles. Während wir uns eigentlich überall in der Welt zu Hause fühlen – ok, das ist dann eher persönlich – haben wir mit England wohl einen Reinkarnations-Vertrag. Schwer zu beschreiben, was uns da so elementar ergriffen hat.

Wusstet Ihr, dass die Briten und Deutschen einen ganz ähnlichen Humor haben? Man kann hier gut mit uns, genau deswegen. Wir kommen sofort mit jedermann ins Gespräch, man spricht sich halt an, wenn man was zu sagen hat, keine unnötigen Floskeln drumherum, gleichzeitig ist man wohltuend höflich dabei, ach, Höflichkeit ist so etwas Feines, wie sehr wir es zu Hause oft vermissen.

  • sie können Bier
  • sie können Kneipenkultur
  • sie können Höflichkeit
  • sie können unkomplizierte Kontaktfreudigkeit
  • sie können Service!
  • sie können die schönsten Häuser
  • sie können echte Heritage-Einrichtung
  • sie können Teppiche mit Foam underlay
  • sie können kochen
  • sie können Garten
  • sie können Rücksichtnehmen auf Radfahrer
  • sie können Humor

Dass es auch Nachteiliges über die Briten zu sagen gibt, ist klar. Aber das haben wir in der Zeit nicht zu spüren bekommen.

 

very cornish: was bedeutet das?

  • alles ist auf links: das Besteck liegt links vom Teller, Kalt- und Warmwasserhähne sind vertauscht, die Autospuren sowieso
  • Hundekot ist teuer: zwischen 500 und 1.000 Pfund Strafe bei Liegenlassen
  • der Service-Gedanke ist einmalig: wir verpassen die Öffnungszeit der einzigen Strandbude mit potentiellem Abendessen. Der Inhaber sieht uns mit plattgedrückten Nasen vor der Tür stehen und schmeißt nur für uns 2 Nerds zum einzigen Mal an dem Tag den Pizzaofen an und geht anschließend nach Hause. Nebenbei erhalten wir die besten Pizzen, die wir jemals gegessen haben.
  • Coffee or Tea? Nehmt ruhig den Kaffee, der schmeckt besser als in Italien. Dafür haben wir eigentlich nur schlechten Tee bekommen.
  • Cornish Tea Time: die Scones mit ihrer geschlagenen Sahne-Butter und Konfitüre sind ein Muss. Diät kann warten.
  • Cornish Pasties: leckere Mahlzeit in der Calzone-Tasche zum Mitnehmen. Übrigens: einen Original-Pasties-Laden gibt es jetzt auch in Köln: das Tasty Pasty

 

Stonehenge

Stichwort Stonehenge: so unvorbereitet, wie ich gerne reise, so wenig wusste ich, wo Stonehenge liegt. Wir fahren die Straße entlang über einen Hügel, die Sonne geht schon unter, vor uns liegt eine einfache Wiese. Aber es liegt eine geballte Energie in der Luft, ich nehme sie fast physisch wahr und sage zu Patrick, dass diese Gegend ein Kraftfeld sein muss. Wenig später erscheinen Steine am Horizont. Die Steine von Stonehenge, wie ich mit großen Augen feststelle. Oft habe ich gehört, dass Stonehenge ein Kraftort sein soll, ich kann es jetzt aus eigener Erfahrung bestätigen. Eigentlich wäre es das perfekte Licht gewesen, um atemberaubende Fotos zu machen. Aber die Menschen haben längst verstanden, wie sie die Steine durch touristisch aufbereitete Eintrittsgelder nutzen können, nichts zog mich dahin. Wir sind weiter gefahren, doch das Spüren der Energie ist fest in mir abgespeichert.

 

Quiz

  • Cornwall

Wie nennt man die Menschen in Cornwall? Richtige Einsendungen erhalten einen like. 🙂

Cornegassen

Corneluten

Cornesen

Cornaten

Cornwallmenschen

Cornuren

Cornetten

Cornewaller

Cornunsen

Cornish People

Cornabier

Corneferen

 

Und hier geht´s zur Bildergalerie „Cornwall“

 

 

 

 

München-Venedig per Rad (5)

Von gefühlt sterbenskrank in Tirol bis rein nach Venedig. Die letzte Etappe belohnt uns für alle Mühen und wird durch eine bunte Überraschung gekrönt!

Fujifilm X-Pro2 als Reisekamera – Eine erste Rückmeldung aus der Praxis

Anlässlich unserer letzten Reise (mit der restaurierten Puppenstube nach Sardinien) haben wir uns eine neue Kamera zugelegt: die Fujifilm X-Pro2 nebst Objektiv Fujinon 23mm 1.4.

Natürlich haben wir die Kamera nicht nur für die Reise nach Sardinien gekauft, sondern vielmehr sowohl als Ersatzkamera für unser Hochzeitsequipment (jepp, wir sind unter anderem auch Hochzeitsfotografen) wie auch als leichte, aber doch qualitativ hochwertige Reisekamera. Als erste „Ausprobier“-Optik haben wir uns für das Fujinon 23mm 1.4 als lichtstarkes Reportage Objektiv entschieden.

Hand aufs Herz: Dass es gerade die Fuji X-Pro2 geworden ist hatte genau 2 ¾  Gründe, die für mich (Patrick) als Equipmentverantwortlichen von Bedeutung waren. Zum Einen

  • die angeblich enorme Bildqualität, die der einer Vollformat-Spiegelreflex ebenbürtig sein soll (1),
  • das unglaublich coole Design (1),
  • Kompaktheit/Gewicht (½) und
  • der Dual-SD-Karten-Slot (¼).

Was soll ich sagen? Wir haben die Kamera jetzt 3 Wochen auf Herz und Nieren geprüft und müssen konstatieren:

Es ist eine wirklich ganz ausgezeichnete Kamera!

Die Bildqualität ist für eine Kamera mit Crop Sensor über jeden Zweifel erhaben und ganz ehrlich, ich kann da wirklich keinen sichtbaren Unterschied zu unseren Kleinbildkameras feststellen. Natürlich benötigt man noch etwas mehr Lichtstärke um Motive frei zu stellen, aber ansonsten spielt dieser Fotoapparat auf Augenhöhe mit den Besten! Ich kann wirklich nur jedem, der mit der Kamera liebäugelt, anraten, sie einmal in die Hand zu nehmen und ein paar Fotos zu machen… Ihr werdet Euch wundern ;-).

Die Bilder sind extrem scharf, was natürlich auch der sehr guten Optik geschuldet ist. Die Farben sind schlicht so, wie sie sein sollen und die Dynamik ist der Hammer! Wirklich ganz hervorragend!

Der Autofokus arbeitet sehr sicher und zügig und die Bedienung geht auch ohne jahrelanges Studium einfach von der Hand. Extrem cool finden wir die Einstellräder für Blende (am Objektiv, wie früher) und für Zeit (oben auf der Kamera, auch wie früher). Das macht richtig Spaß und praktisch ist es auch.

Das Menü ist logisch aufgebaut, man vermisst eigentlich nichts Wesentliches und versteht das Allermeiste sehr rasch. Die Funktionsvielfalt der Kamera genügt (unseren) professionellen Ansprüchen voll und ganz.

Schönes feature: die Intervallfunktion. Wir haben sie auf Sardinien für ein ganzes Dutzend Timelapse-Videos bemüht. Sobald diese fertig sind, werden wir sie euch zeigen.

Das einzig wahre Manko ist für uns bislang die fehlende Power der Akkus. Max. 300 Bilder und das Teil ist erledigt. Da können andere mehr, viel mehr! Aber ok, wenn das wirklich der einzige größere Lapsus ist – geschenkt. Und Himmel hilf, das Ding sieht ja sooooo cool aus.

 

PS: Eins hab ich noch vergessen: das Gewicht. Es ist gering genug, um das Teil den ganzen Tag schmerzfrei beim Trekking umgeschnallt zu haben, und man bekommt trotzdem die Bilder die man haben möchte.

Sardinien: der Letzte schließt die Insel ab

…oder warum Sardinien im Oktober besonders attraktiv zum Nachholen des Sommers ist.

Mutter-Tochter-WE (18/45)

Das Warum:

Meine Tochter ist 18, ich bin 45. Vor einigen Jahren haben wir angefangen, in angemessen großen Abständen Wochenendtrips zusammen zu machen,

  1. weil wir es lange nicht konnten
  2. weil wir auf diese Weise unsere Beziehung zueinander pflegen.

Und das war eine richtig gute Idee. Die großen Abstände (ca. 2-3 Jahre) sorgen hierbei für das anhaltend Besondere daran.

 

Unsere Kriterien sind:

  • es muss mind. 1 Stunde Anfahrt haben (um Abstand zum Alltag aufzunehmen)
  • wir fahren immer mit dem Auto / Puppenstube (weil wir die Fahrten so lieben, in denen wir uns zum Auftakt das Auto mit kiloweise ungewohntem Proviant vollladen, um aus dem Vollen schöpfen zu können)
  • es muss schon freitags losgehen
  • das Programm muss eigenaktive Elemente enthalten, in denen man nicht fremdbespaßt wird. Zu viel „oooh und woooow“ lenkt voneinander ab. Eine kleine hässliche Sauna ist also einem sensationellen Wellnesspark vorzuziehen, auch, wenn das in unserem Fall eher unbeabsichtigt war

 

Tourdaten:

Campen in ArcenDiesmal haben wir uns ein Frauenprogramm mit Selbstversorgung ausgedacht. Es geht mit der fahrbaren Puppenstube (gemeint ist der Vintage-Wohnwagen, den ich dieses Frühjahr gekauft und generalgepimpt habe) nach Holland.

 

 

  • Freitag Nachmittag: Abfahrt zum hübschen minikleinen Mini-Campingplatz in Arcen
  • Samstag: Wellnesstag im Thermaalbad Arcen mit gebuchter marokkanischer Hamam-Massage
  • Sonntag: Shoppingtour in Venlo beim Stadtfest mit Konzerten, abends: Rückfahrt

 Gefüllt wir das Gerüst mit: Gammeln im Wohnwagen, Chips essen, trinken was man sonst nicht trinkt (Capri Sonne und Hugo), lustige Hörspiele anhören, Karten spielen, Musik hören, singen, erzählen, kuscheln, vom Leben erzählen, das Bett nicht machen.

 

Abenteuerlich & faul:

Planmäßig verläuft die Abfahrt. Unplanmäßig dagegen die Ankunft. Zweimal misslingt uns ein Wendemanöver mit dem Anhänger, was zur Folge hat, dass wir uns auf der Straße verkeilen. Also müssen wir den Anhänger abkuppeln, wieder in Position ziehen, das Auto davor setzen und wieder ankuppeln. Schön, wenn man dabei Zuschauer hat :). Noch schöner, wenn Tochter mit anpackt und wir die Kuh, eh, den Camper zusammen von der Straße ziehen. Wir sind stolz auf die gemeinsam bewältigte öffentliche Peinlichkeit. Bei der Abfahrt wenden wir bereits professionell.

Angekommen fangen wir an, unsere „Puppenstube“ einzurichten, mit Kerzchen und den Tisch voll Haribo und Leckereien. Wir hätten locker essen gehen können, aber wir kochen lieber selbst, um gammelnd zuhause bleiben zu können. Urlaubsgefühl gleich bei Ankunft.

Am nächsten Morgen machen wir auf den Weg zum 5 Minuten entfernt liegenden Thermaalbad Arcen. Wir erwarten einen Wellnesspark mit Sauna und schönen Bädern, als Highlight eine Hamam-Massage nach original marokkanischer Art.

Machen wir es kurz: er ist alles ganz anders, als wir uns das vorgestellt haben und das ist auch gut so. Denn fällt die Belustigung allzu umfangreich und belustigend aus, wird man zu sehr voneinander abgelenkt. Ist die Sauna dagegen klein und hässlich, konzentriert man sich aufs Wesentliche.

Der Wellnesspark Arcen ist ziemlich klein und in die Jahre gekommen, man muss für viele Dinge noch extra Mutter-Tochter Wochenendebezahlen, was eigentlich im Preis (vor allem bei dem, den sie nehmen) enthalten sein sollte (z.B. Nutzung der Dampfsauna), manche Anwendungen funktionieren nicht, selbst wenn man für sie bezahlt (z.B. die Dampfsauna). Der Beauty-Bereich wird von einer Monster-Klimaanlage beherrscht, die einem unentwegt kalte Luft auf den Rücken pustet und man mit steifem Nacken die Massage verlässt. Keine duftenden Aromen, keine schöne Musik, dafür Stirnhöhlenschmerzen, weil man mit dem Gesicht auf einem viel zu harten Loch liegt.

Doch statt uns zu ärgern, müssen wir lachen, denn wir denken an Disneyworld, unserem ersten Trip vor 3 Jahren, wo wir der Mittelmäßigkeit des Parks mit einer guten Prise Humor begegnen mussten und somit ein Wochenende voller Lachen bekamen. Auch im Thermaalbad Arcen stoßen wir auf Mittelmäßigkeit und tun wieder dasselbe: Wir lachen darüber, es gibt viel zu lachen und somit verbringen wir einen Tag voller Freude.

Höhepunkt der Freude waren drei Massagestühle, die man mit Münzen zum Leben erwecken kann (4 € / 9 Minuten). Wir wissen nicht, dass alle drei Stühle unterschiedlich massieren, als wir dies jedoch herausfinden, probieren wir sie alle aus. Nicht etwa, weil sie so gut tun, eher wegen des genauen Gegenteils: jeder Stuhl traktiert physiotherapeutisch fatal jeweils andere Bereiche und wir kommen aus dem ungläubigen Staunen über die absurd walzenden Gerätschaften nicht mehr raus. Heftig ist die Quetschfunktion der Beine, die nichts Gutes bringt aber eine Flucht verhindert. Die Ganzkörper-Schüttel-und-Rumpel-Funktion lässt uns von außen betrachtet enorm blöd aussehen (und es betrachten uns viele Menschen von außen) während wir eine andere Funktion an der Stelle nicht mal mehr beschreiben wollen, sie lässt uns nur verstört zurück. Wir rätseln über den Sinn noch bis spät in die Nacht. Im Bistro stopfen wir uns mit Fritten und Kip Saté voll, denn auch hier darf man auf keinen Fall Vergleiche zum Mediterana in Refrath anstellen.

Aber egal: das Wesentliche ist erfüllt: wir haben einen extrem lustigen Tag. Operation erfolgreich. Die Programm-Wahl war bestens.

 

Venlo und das Frittenfett

Am Sonntag dürfen wir netterweise den Camper bis abends auf dem Platz stehen lassen, so dass wir nur mit dem Auto nach Venlo fahren und beim Stadtfest eine kleine Shoppingtour ohne Shoppen machen können. Wir werden an jeder Ecke mit live-Musik versorgt. Eine mittelmäßige Portion Backfisch beschert uns Bauchschmerzen und das gute Gefühl zu wissen, wo man den besten Backfisch der Welt bekommt: entweder auf dem Haagse Markt (in Den Haag) oder zu Hause von Patrick.

Nach einem irgendwie traurigen Nachmittag, in dem die Abfahrt die ganze Zeit in der Luft hängt, fahren wir zurück und beschliessen, irgendwann das Mutter-Tochter-Wochenende um das –nende zu erleichtern.

Der nächste Wochen-Trip kommt bestimmt.

 

 

 

 

Das ist der ganze Jammer.

„Das ist der ganze Jammer: Die Dummen sind so sicher und die Gescheiten so voller Zweifel.“ Das Beispiel Böhmermann vs. Erdogan.

Mutter-Tochter-Tag

Und hier sind Eure ultimativen Ideen für einen Mutter-Tochter-Tag für Erwachsene. Oder: mehr Zeit für Frauengespräche.

Ein guter Mann verlässt das Spielfeld

Wie ist es, wenn ein Mensch das Spielfeld verlässt? Je mehr man ihn mochte, desto deutlicher spürt man es. Der Platz für seine Rolle wird leer.

„Pimp your Caravan“ (4) – innen

Innen sehen wir derzeit noch eine 24-Jahre alte Depressionskampfzelle. Aber das ändert sich gewaltig. Was wir damit gemacht haben, könnt ihr hier sehen.

Radkleidung für die nass-kalte Radreise

Nur mit dem richtigen Equipment macht (Rad)Reisen Spaß. Vor allem, wenn man temperaturtechnisch auf wechselhafte Reise geht. Hier unsere Geheimtipps!

München-Venedig per Rad (4)

Wir wissen gar nicht, was uns erwartet. Wir wissen nur: vor uns liegen die Dolomiten. Schweigend fahren wir dem Naturwunder entgegen. Auf Loipen.

„Pimp your Caravan“ (3) – außen

Es geht ans Lackieren der Alu-Außenhaut. Hiervon haben ich am längsten geträumt. Vor dem Lackieren habe ich nämlich richtig Muffensausen. Es wird so eine Art Vintage.

53 Tipps für die Freizeit

Da ist sie auf einmal: freie Zeit, mit der du nicht gerechnet hast. Man könnte ja jetzt… uuund Blackout! Spontan keine Idee zur Hand? Hier ein paar Tipps für die Freizeit.

München-Venedig per Rad (3)

Es musste ja so kommen.

Zum ersten Mal denken wir über den Begriff „Genussroute“ nach. Man hat Radwegen jeweils einen Schwierigkeitsgrad zugeordnet, Genussroute steht in dem Fall für barrierefreies Radfahren. Nachdem wir die Strecke abgefahren sind, ein nüchterner Einwand von uns: den Brenner kann man durchaus als Hindernis bezeichnen.

 

Dabei beginnt alles so harmlos…

Ein kleines Ründchen durch Innsbruch, die Sonne scheint, es ist warm. Das Navi führt uns… an eine Bahnhaltestelle? Ach, wieder so ein bug, müssen wir melden. Wir schauen uns um und tatsächlich endet unsere Tagesetappe gleich morgens früh an einem Bahnhof. Wir begreifen gar nichts und überlegen uns, wie wir auch ohne Navi und ohne Bahn weiter kommen. Da drüben, da ist eine kurze Rampe, die müssen wir nur hoch, dann fahren wir einfach parallel zur Schienenstrecke.

Also rüber zur Rampe, wir sehen das Ende hinter der Kurve, und auf geht´s. Wuuuu, ist das steil, aber wir strahlen, der Ehrgeiz hat uns gepackt, strampeln im 1. Gang bis nach oben. Der Schweinehund kläfft nach Kräften, Herrchen und Frauchen aber sind willensstark. Wir sehen das Ende der Kurve. Mann, ist das steil, und es wird immer steiler…! He Patrick, wann hört denn die Kurve auf, meine Waden werden hart.

 

Es folgen zwei unterschiedliche Beschreibungen desselben:

Beschreibung (angeschlagene) Sandra:

Wir lassen das Beschreiben an der Stelle und nehmen den ganzen Trara vorweg: die Kurve hört an diesem Tag nie mehr auf! 100.000 km steil bergauf (wieviele km waren es wirklich?), die Sonne ist viel zu warm für sowas, und das Ding mit dem Ehrgeiz hat sich nach einigen Kurven erledigt. Danach heißt es nur noch 25 kg bepacktes Rad bergauf schieben, die Erdanziehung gibt alles, und es hört nicht auf. Immer wieder versuchen wir es mit fahren, aber die Versuche halten nur kurz durch. Hinter jeder Kurve der Eindruck, „das wars, jetzt sind wir oben“, und dann noch eine und noch eine und noch eine. Wie können hier Leute wohnen? Stehen deren Füße nachts im Bett auch noch nach oben ab?

Richtig mies! Nö, ist auch nicht zum Schönreden oder Kräftemessen. Einfach nur mieser Mist. Alle Nase lang überholen uns Busse und fast schon möchten wir uns vor sie werfen. Entweder um zu sterben oder von ihnen mitgenommen zu werden.

Es gibt auch keine Fotos vom Berg, für so einen Scheiß hatte zumindest ich keinen Geduldsfaden frei (und ich hatte die Kamera).

Beschreibung Patrick:

Irre, was ein steiler Anstieg. Ein paar mal müssen wir schieben, aber 90% sind wir gefahren. Und schön ist es hier!

 

13 Wadenkrämpfe und 1.000 Seehöhenmeter später erreichen wir Patsch. Echt Patsch. Ein Ort auf einer Mittelgebirgsterrasse. Wir wissen schon, warum sie den Ort so genannt haben. Aber Terrasse klingt gut. Wir suchen die nächstbeste auf.

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Es ist inzwischen Mittag, nach dem schlimmsten Vormittag unseres (Sandras) Lebens. Die Mittagssonne brennt heiß, der Wind weht etwas kühle Luft dazwischen. Wir erreichen die Römerstraße. Ein langes und stetiges Auf und Ab in sensationeller Winterkulisse. Ist schon echt nett hier. Wahnsinn, was eine Freiheit hier oben. Was aber nicht bedeutet, dass die Rampen(tor)tour aufgehört hat. Wir begegnen so gut wie niemandem, man sagt aber, das sei im Sommer gänzlich anders.

In St. Peter fallen wir in den Gasthof Neuwirth ein. Es braucht nur eine Terrasse und wir geben freiwillig die Räder ab, obwohl der Gasthof zu hat. Unser starrer Blick fällt auf die Brenner-Autobahn. klick – klick – klack, der Groschen fällt: wir befinden uns auf dem Brenner-Radweg. Dieser wird auch offiziell nicht mehr Genussstrecke genannt, weshalb dem Genussradler eine Alternative mit der Bahn angeboten wird. Aaaachso…

Patrick auf der RömerstraßePatrick auf der Römerstraße

Aber egal, jetzt sind wir Helden und dürfen deshalb auch jammernd sterben. Die Pausen zwischen den Etappen werden länger, die Etappen dafür kürzer. Aber eines muss man sagen: die Bahnfahrer werden diesen Ausblick nicht erleben, den wir gerade vor uns haben. Das wiederum macht uns zu privilegierten Menschen, denn sie macht uns glücklich.

Heute sind wir 32 km senkrecht in die Höhe gefahren, das reicht fürs erste. Mit Steinach finden wir einen Ort, der bewohnbar aussieht, das nächste Hotel läge 10 km weiter weg und würde uns über den Brenner führen – verschieben wir es lieber auf den nächsten Tag. Wir nutzen die Sonne für ein Bier auf der Bierterrasse, gehen irgendwo lecker was essen, um abschließend im Hotel „Post“ in Steinach noch in die Sauna und dann schlafen zu gehen. Übrigens: es war das letzte freie Zimmer im Ort. Wir denken ja immer noch, wir führen in der Nebensaison.

 

brenner-9 brenner-9RömerstraßeRömerstraße am Brenner

 

10 km bis Italien

Grenze Österreich-Italien, Brenner-4° C – Tageshöchstwert 4° C. Nur noch 10 km und wir sind in Italien! Das Wetter ist freundlich, aber wir befinden uns in einer Wetterschneise und die Temperatur wird bald umschlagen. Eine Grenz-Kellnerin überrascht uns mit der Nachricht, dass es ab jetzt nur noch bergab geht und dass bald schon das mediterrane Klima beginnt. Der Kaffee bleibt stehen, wir springen auf die Räder und lassen rollen.

Hiermit endet bei Kilometerstand 231,2 km denn auch die 2. der 5 Etappen: die Schatzkiste Tirols. Wären da nicht die brutalen Anstiege würden wir glatt behaupten, dass es eine sehr schöne Etappe sei. Blenden wir den Brenner aus, sagen wir es auch: eine wunderschöne Etappe.

3. Etappe: Alpin-mediterranes Lebensgefühl

Kilometer über Kilometer geht es abwärts auf einer Schnellstraße, bis Patrick hinter mir plötzlich mitten im Geschwindigkeitsrausch brüllt „Halt! Das Navi sagt, wir müssen links!“ Geschockt bleibe ich stehen, kehre um und schiebe mich die Rampe wieder hoch. Wir fahren links und bekommen auf einmal viel Feedback von Autofahrern. Man begrüßt uns mit Lichthupen, Winken und lachenden Gesichtern. Ui, sind die nett hier. Ui, sind die schnell hier. Ui, wir sind auf der Autobahn. Einigermaßen verärgert über die open-source Empfehlung kehren wir zurück auf die Abfahrtstrecke, die Bremsklötze geben alles, was nicht mehr viel ist. Die Blicke bleiben entsprechend konzentriert auf der Straße, aber die Umgebung ist sicher schön gewesen.

 

Sterzing ValpetinoIn Sterzing Vipiteno suchen und finden wir einen Radladen.

„Einmal Bremsklötze austauschen bitte.“
Der Mitarbeiter schaut mich irritiert an:
„Welche Bremsklötze?“

Ich habe es geahnt: meine Bremsklötze sind bis aufs Metall komplett heruntergefahren, was meine imposante Geschwindigkeit bei der Brenner-Abfahrt erklärt.

Sterzing Vipiteno ist übrigens nicht nur die nördlichste Stadt Südtirols, es ist auch ein relativ hübscher Ort zum Shoppen und Bummeln.

 

Weiter geht´s durch Südtirol. Es wird ein wenig umgänglicher, was die Steigungen angeht, was tatsächlich ganz angenehm ist. Wir fahren durch bis Aicha bei Natz-Schabs. Die Radwege sind mitunter schottrig, aber wir mögen es rustikal. Das Klima würden wir zwar noch nicht als mediterran bezeichnen, aber es ist milder geworden und man sieht immer öfter den Asphalt unter den Reifen.

Wir erreichen Aicha. Da man am Ortseingang gar nicht am Hotel „Klammerhof“ vorbeigucken kann, entscheiden wir uns, auch gleich dort zu frag… huch, die Tür geht von selbst auf. Eine fröhliche, dynamische Frau ruft uns winkend rein: „Ja, nicht zu glauben, ihr seid die ersten Radfahrer dieses Jahr!“. Das ist Frau Reichegger, die Inhaberin und Verantworliche für den supersympathischen Empfang. Wir fühlen uns gleich wohl und das richtig gute Essen stört dieses Gefühl ganz und gar nicht.

Ansonsten reicht die Energie gerade noch fürs Sockenwaschen und peng, geht´s mit uns an diesem Tag auch schon zuende.

brenner-20brenner-19

 

Wie es weitergeht, erfahrt Ihr in

Teil 4: the last Schneemann before Venedig?

 

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Teil 1

Teil 2

„Pimp your Caravan“ (2) – Das Konzept

1 Zi, Kü, Diele, Bad, 2 Räder… Wie soll er denn mal aussehen? Das ist eine gute, das ist die wichtigste Frage, und beschäftigt mich vor allem nachts.

München-Venedig per Rad (2)

Von Unterhaching nach Innsbruck

Die erste Nacht verbringen wir im Schrenkhof in Unterhaching. Das Auto wird während unserer Tour auf dem Hotelparkplatz bleiben. Das ist deutlich günstiger (nämlich kostenlos) als 2 Wochen in München zu parken.

Die Fahrt von Köln nach München war lang genug, reicht. Und noch etwas: Eine Nacht vor Aufbruch wird Sandra krank. Schüttelfrost und Gliederschmerzen. Da passt es gerade gut, noch einen Tag für die Anfahrt als Puffer zu haben. Abends stärken wir uns im Wirtshaus „Kammerloher“ (hierzu später noch mehr) mit einer bayrischen Variante von Currywurst weiß-rot (Weißwurst und Rotbratwurst in großer Größe mit ultraleckerer Soße) und gehen sehr früh schlafen. Eigentlich schade ums Hotel, es ist zu schön um einfach nur die Augen zuzumachen.

 

1. Etappe: Erlebnis Wasser

Wir messen -2°C. Joah, ziehen wir mal die Thermo-Unterwäsche an. Ist doch ein bisschen frisch heute. Aber die Sonne scheint. Sie lockt uns nett auf die Räder, eine typische Tücke (das Nette) am Anfang einer Reise, wenn man eigentlich noch zurück kann.

Gut gelaunt radeln wir also Richtung Tegernsee. Andauernd steigen wir ab, um Schnee zu fotografieren (sonst glaubt uns das keiner, bevor er endgültig schmilzt) und machen beim Anblick eines tapferen Schneemanns noch unsere Scherze à la „the last Schneemann before Venedig“.

Nach 47,8 km übernachten wir unsere erste Nacht im Gasthof Wiedenau in Gmund am Tegernsee. Wir suchen eigentlich ein Fremdenzimmer, aber es hat alles zu. Montag ist Ruhetag.

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Tag 2: ooooaaah, es hat geschneit!

tegernsee-5Sandra ist zwar immer noch irgendwie angeschlagen und schlapp, aber juhu, alles so weiß, wie schöön! Und sie war noch nie in Venedig, sie freut sich vor. Und wieder fotografieren wir Schnee, weil wir glauben, es sei der letzte auf unserer Tour.

achernsee, innsbruck-10

Wie süß, schnurstracks radeln wir dem skialpinen Winter entgegen.

Zugeschneit kehren wir ein und werden von den Einheimischen bestaunt und belächelt gelobt. Fachmännisch wiegeln wir ab „…alles eine Frage der Kleidung“, „… gut ausgerüstet“, blabla. Wir sind überzeugend, denn wir glauben selbst dran. Gerne nehmen wir die Bauchpinseleien als Vorschusslobeeren entgegen, fühlen uns aber bereits wie gestandene Weltumradler.

achernsee, innsbruck-1Bis wir 5 km weiter unsere erste Tiefschnee-Etappe bekommen. zack, fliegt mein Rad das erste Mal in die Ecke. Patrick dreht sich um, weil er denkt, ich sei gestürzt. In Wirklichkeit gehe ich gerade steil, weil meine Reifen nur wegrutschen, Patricks Reifen dagegen schön greifen. So, zurück zum Anfang: warum zum Henker hat mir niemand gesagt, es gäbe auch so was wie „Winterreifen“ für Fahrräder? Patrick hat es zwar gewusst, hat auch kurz darüber nachgedacht, es mir zu sagen, aber halt zu kurz – er dachte, sie würden nicht nötig werden.

Also schieben. Die Neopren-Überziehschuhe sind toll, nur nicht zum Laufen.

Inzwischen schneit es dicke Flocken. Wir ziehen die Regenklamotten über. Der Blick auf den verschneiten Tegernsee jedoch ist alles wert. Unterwegs treffen wir immer wieder Spaziergänger, die unseretwegen stehen bleiben. Manche sprechen uns an, manche runzeln die Stirn, wenn sie von unserem Vorhaben erfahren (hallo, könnt ihr bitte mal aufhören, so negativ zu sein?), manche aber sind ganz beeindruckt. Das wiederum beeindruckt uns.

Nur oder immerhin 47 km kommen wir weit. Bei Achenkirch verlässt Sandra jede Kondition und Einstellung zur Unternehmung. Wir finden bei der Familie Raitmeier ein nettes Appartment (das uns auch aufmacht, weil Dienstag = Ruhetag) und ein gemütliches Gasthaus bei Marie“ um die Ecke. Allerbeste Kraftsuppe und freundliche Worte für Sandra, Schnitzel mit Preiselbeeren und freundliche Worte für Patrick.

 

2. Etappe: Schatzkiste Tirols

Tag 3 beginnt mit Sonne und Wind.

Die gute Nachricht: die Sonne scheint von vorne, der Wind kommt von hinten. Er pustet uns satte 72,4 km Richtung Innsbruck. Erst geht es am Achensee vorbei (der Tegernsee war schon schön, aber der Achensee ist magisch) über Hügel und Berge, später – zu unserem ungläubigen Staunen – entlang einer langen geraden Uferstraße am Inn vorbei. Wooow, und das mit Rückenwind.


Unterwegs schnappen wir ein Gespräch zwischen zwei Buben (ca. 8 Jahre) auf:

„Du guck mal, zwoa Radler… Wo fahrt´s lang?“

„Nach Venedig!“

„Wo ist Venedig?“

„In Italien.“

„Wos? In Italien? Ja habt´s koa Auto?“


Doch haben wir, in München steht es und das macht uns gerade sehr stolz. Die Strecke ist wunderbar abwechslungsreich, besonders auf der Geraden lassen wir die Drehzahlen mal etwas nach oben wandern, hilft, Strecke zu machen. Trotzdem sind 72 km irgendwann auch ein guter Grund, die Räder bei Innsbruck auslaufen zu lassen und sich eine hübsche Bleibe zu suchen.

Das…, ja das erweist sich später noch als eine seeehr gute Idee!

achernsee, innsbruck-19 achernsee, innsbruck-18 Innsbruck achernsee, innsbruck-15

 

 

Wie es weitergeht, erfahrt Ihr hier.

Teil 3: Ochsentour von Innsbruck nach Steinach

 

München-Venedig per Rad (1)

Der Plan ist schnell erklärt: wir fahren mit Auto und Fahrradträger nach München, stellen dort das Auto für 2 Wochen ab, während wir uns mit den Rädern auf den Weg von München nach Venedig machen. Anschließend nehmen wir den Zug zurück nach München und fahren dann mit dem Auto wieder zurück nach Köln. Klingt erst mal gut, der Plan.

„Pimp your Caravan“ (1) – vorher

Das making-of: So wird aus einem alten biederen Wohnwagen eine schmucke Reisebleibe auf 2 Rädern.

autsch, mein Kind wird 18

Eine schwierige Momentaufnahme

Mein Kind loslassen… kann ich. Man lernt es im Laufe der Jahre, immer ein Stückchen mehr. Das erste Mal alleine zur Schule gehen lassen, das erste Mal alleine im Zug fahren lassen, die erste Party in der Stadt, das erste Mal mit „Ende offen“, das erste Mal … gibt es oft. Man gewöhnt sich wirklich an die wachsenden Unabhängigkeiten, die für mich als Mutter zwar jedes Mal auch mit neuen Ängsten einhergingen, an die ich mich aber gewöhnen, die ich loslassen konnte.

Aber jetzt gerade tut es richtig weh. Obwohl ich es seit 18 Jahren ahne, meine Tochter wird tatsächlich 18! Ihre Schulzeit geht zu Ende. Die SCHULZEIT! Dieses Ding, das Begleitsymbol für Kindheit und Jugend ist…

Mir zieht es die Füße weg. Als käme es unvorbereitet ist die Kindheit meiner Tochter vorbei, ich fühle mich mit einem Mal steinalt. Wenn schon mein kleines Baby nicht mehr zu Schule muss… die grauen Strähnchen auf meinem Kopf bekommen eine ganz andere Bedeutung. Sie schubsen mich in die nächste Generation. Bisher war ihre Kindheit wie eine Schutzzone vor dem Wahrnehmen des Älterwerdens. Jetzt gerade ist sie weg.

Wie ein Magnet zieht die Erkenntnis Rückblenden an „habe ich ihre Kindheit gut hingekriegt?“ „Ist sie stabil fürs Leben geraten?“ „Gibt es etwas, das ich versäumt habe zu tun, zu sagen, zu sehen?“ „Habe ich zuviel gearbeitet?“ Mir fallen dutzende Versäumnisse ein, sie wiegen jetzt besonders schwer. Das Wort „vorbei“ hat etwas Gnadenloses, es hat was von „es ist nicht mehr gutzumachen oder nachzuholen“.

Ich möchte in ihr Zimmer laufen, sie in den Arm nehmen, eilig aufholen, was ich vielleicht verpasst habe, mir vergegenwärtigen, wie sich ihr Körper in meinem Arm anfühlt, bevor…

…sie raus in die Welt stürmt, voller Erlebensdrang, den Blick nach vorne gerichtet. Ich will sie festhalten, sie und alles festhalten. Loslassen? Ich fühle mich gerade wie eine Ertrinkende. Nie hätte ich gedacht, dass mich das mal so umhauen würde, wo ich doch zu denen gehöre, die ihrem Kind nicht nur das Recht auf eigene Erfahrungen zugesteht sondern es eher noch aktiv zum Zug in die große weite Welt ermutigt als es davon zurückzuhalten.

Ist mir aber gerade zu groß, die weite Welt. Der Abschnitt, der Abschied fällt mir gerade in diesem Moment sehr schwer. Ich werde mich daran gewöhnen. Bis ich bereit bin für die nächste Etappe ihres und meines Lebens. Fest steht: alles verändert sich und das… ist eigentlich auch wirklich gut so.

 

Jüngerer Mann sucht reife Frau 40+

Ist das Humor oder kann das weg?

„Wie lerne ich eine reife Frauen kennen – gerne so um die 40+, die auf Männer steht, die ein paar Jahre jünger sind.“

 zufällig gelesen auf gutefrage.de

Entschuldigung, ich glaube, ich muss noch mal lesen… gerne um die 40+… reife Frauen… Das sitzt. Da falle ich nicht nur in diese Zielgruppe sondern auch vom Stuhl?!

Zwar bin ich gar nicht gemeint, aber ich fühle mich stellvertretend betroffen. Dass dieser junge Mann nicht auf reife Konversation aus ist, ist klar. Die allerdings könnte er haben. Da käme richtig was bei rum. Nein, er meint den „reifen Körper“.

Wie das klingt… wie Fallobst im Gärungsprozess, nach gerontobetonten Wohnungsanzeigen, wie ein Termin beim Bestatter, nachdem man kurz vorher noch im Schönheitsstudio Lebewohl gesagt hat.

Was denkt der eigentlich, wie Frauen um die 40 unter der Kleidung aussehen? Ganz normal eigentlich, nicht alle erleiden einen Spontanverfall  1 Tag nach dem letzten Tag im 39sten.

Ach, er meint das, was sie so können? Er braucht also Nachhilfe? Natürlich sind wir Sexgöttinnen, waren wir aber immer schon. Hat er nur nicht gemerkt, weil es vielleicht nicht an der jungen Freundin lag.

Klar haben wir reife Vorzüge, sie wachsen jeden Tag mit der Geburt, aber muss man das denn gleich so unhöflich ausdrücken?

Also, ich antworte dem schon mal nicht! Erstens, weil ich gar nicht suche und zweitens weil ich mich nicht angesprochen fühle… dä!:D

El Hierro: die schönste Insel der Welt

Die Energie auf El Hierro heißt Frieden – El Hierro ist die kleinste Insel der Kanaren. Sie hat gerade mal noch 300 Tourismusbetten.

Top 8 auf Amrum

Planung & Logistik

Hier folgt in Kürze eine idiotensichere Anleitung zur Anreise mit Adressen und Preisen.

 


Hier wohnen wir:

Für 48 € / Tag mieten wir uns den Wohnwagen #5 auf dem „Campingplatz Amrum“ mit Rundum-Dünenblick und Freiheitsgefühl. Er ist zwar optisch keine Augenweide, aber gemütlich. Und Kaffeekochen geht auch.

 

1. Butt´ze

Butt´ze ist die Fisch-Imbiss-Institution in Wittdün. In absehbarer Zeit steht ein Inhaberwechsel an. Bleibt zu hoffen, dass der neue Betreiber wieder so klug ist, die alte Rezeptur zu übernehmen.

Butt´ze auf Amrum

 

2. Blaue Maus

2014 wurde die Blaue Maus zur besten Whiskeybar Deutschlands gekürt. Zurecht! Inhaber Jan von der Weppen und seine Frau Beate führen und füllen die urige Kneipe mit jede Menge Insel-Geschichten, guten Speisen, Whiskey-Wissen (und Fotoalben davon). Wer sich schon ein bisschen mit Whiskey auskennt, wird beim Anblick der Regale euphorisches Herzrasen bekommen. Wer unbedarft antritt, verlässt die Blaue Maus wie ein Kind nach der Weihnachts-Bescherung. Wer gar keinen Whiskey mag… ach, Blödsinn. Alternativ gibt es Maus-Bier, Cocktails, Limonade (aber letzteres gehört sich nicht).

Blaue Maus auf Amrum

 

3. Kaffeeflut

…sehr einladend gelegen gleich vornean in Wittdün. Im Café „Kaffeeflut“ geben wir jeder Menge Kalorien ein neues Zuhause.

Ausgefallene Getränke & Süßspeisenkarte für Unterzuckerte, Zuckerschocksüchtige oder selbstmordinteressierte Diabetiker.

 

4. Café Schulte

Das Café Schulte findet Ihr ganz hinten in Norddorf. Es sieht so aus, wie es heißt, mit weißen Spitzengardinen und so weiter. Aber wenn man hier eins kann, dann ist es die Friesen-Torte. Gerne hätten wir Euch ein Foto davon gezeigt, aber leider… schon aufgegessen! Stattdessen könnt Ihr Euch ja das schöne Dünenfoto links anschauen.

 

5. Panchos Treibgutburg

Alles, was der Mensch verliert, vergisst, entsorgt, findet sich in „Panchos“ Treibgutburg wieder. Eine spannende Geschichtensammlung des Künstlers Ottfried Schwarz aus Hamburg. Die „Burg“ liegt versteckt in den Vordünen zwischen Nebel und Norddorf und wenn man richtig hinguckt, findet man vielleicht auch seine Inspiration wieder…

Panschos Treibgutburg auf Amrum

 

6. Likedeeler

Likedeeler ist ein besonders gutes Restaurant. Der große grauhaarige Oberkellner ist der Inhaber, heißt Jesse und man sollte nett zu ihm sein. Vorheriges Reservieren sorgt für eine gute Grundstimmung. Bleibt die Frage: was ist ein Likedeeler. Es bedeutet „Gleichteiler“ und bezieht sich auf Piraten, die ihre Beute fair aufteilten. Ein gewisser Kapitän Störtebeker wird in dem Zusammenhang gerne erwähnt. Weil wir aber mindestens 3 verschiedene Versionen über jenen Piraten-Herrn gehört haben, bleiben wir beim gesicherten Wissen, dass nämlich das Likedeeler auf Amrum eine Art Hommage an das Teilen der Freuden mit seinen Gästen ist.

Restaurant Likedeeler auf Amrum

 

7. Tandem fahren

Ja, hier zeigt sich, wer zusammenarbeitet :). Weil die Wege für Fahrräder gut ausgebaut sind, lohnt sich ein Versuch. Unser Tandem ist dieses Jahr etwas schrottig. Wir entdecken ein Pärchen mit einem besseren Exemplar. Kurz planen wir die feindliche Übernahme, aber da man sich auf Amrum immer mind. 3 x / Tag wiedersieht, lassen wir es bleiben.

 

8. Heidekate

Die beruflichen Stationen des Gastgebers lesen sich wie ein interkontinentales Schlemmerbuch. Und genauso dürft Ihr Euch das Essen vorstellen. Wer köstlich speisen will, der achte auf das blaue Häuschen direkt an der Inselstraße hinter oder vor der Blauen Maus. Wer sich nicht sicher ist: auf dem Schild steht „Heidekate„.

Heidekate auf Amrum

 

erzählt sei außerdem noch…

vom Konzert der „Natural Facts“

… in der Blauen Maus: grundehrliche 30er-Jahre Musik mit der Seele von André Closius und Thomas Rüsken, handwerklich auf hohem Niveau. Kontakt: 0174 / 276 38 90

Natural Facts

 

von Sandras Fettnapftalent

Sandra zu einer Tagesbesucherin, die uns ihren positiven Eindruck von Amrum schildert: „Ja, Amrum sehen und sterben“. Die Touristin ist 85 Jahre alt.

 

vom Robbie-Doyle Konzert

Die Inselbahn fährt uns hin und holt uns ab. Humorvolles Irisches Mitmachkonzert, ein bisschen wie eine „Session“. Großartige Musiker um Robbie Doyle herum.

 

vom Stiefel

Es war ein langer Weg. Aber einmal muss man sich einen Stiefel reingezogen haben. Sonst war man nicht auf Amrum.

Stiefeltrinken auf Amrum

 

 

Epi-blog

Amrum ist die Insel der Freiheit, sagt man. Weite und Schönheit, Ruhe und Erholung. Man könnte sich vorstellen, hier zu leben. Gerne interpretiert man in die Freundlichkeit der Amrumer ausgeglichene Zufriedenheit hinein und fragt sich unwillkürlich nach deren Geheimrezept. Bei der Beantwortung dieser Frage stoßen wir auf neue alte Einsichten.

Den ersten Abend widmen wir der Blauen Maus. Weil an den Tischen kein Platz mehr frei ist, setzen wir uns an die Theke. Schnell kommen wir ins Gespräch mit der Umgebung, das geht auf Amrum ganz leicht. Man duzt sich auf Amrum. Auf diese Weise lernen wir z.B. Marina & Christoph aus Hamburg kennen, die etwa im gleichen Alter und vom selben Humortyp sind und stellen fest: so weit ist Hamburg gar nicht von Köln entfernt, wenn man durch dieselbe Generations-Brille schaut. Wir treffen Daniel, den 30-jährigen Verlassenen und lernen, dass es in der Mitte von 40 schon deutlich entspannter zugeht. Man trifft sich in den folgenden Tagen noch ein paar Mal öfter auf der Inselstraße – wir fühlen wir uns fast wie Einheimische.

Auch den letzten Abend widmen wir der Blauen Maus. Wieder landen wir an der Theke, diesmal aber sitzen ausschließlich Amrumer um uns herum. Bis 3 h morgens hören wir Geschichten, wie sie die Insulaner erleben. Wir erfahren von einzelnen traurigen Schicksalen und den Problemen, mit der die Insel zu kämpfen hat. Dass Amrum derzeit aus der Balance gerät. Zu viele reiche Senioren, die sich für viel Geld ein Plätzchen für den Ruhestand erkaufen, den Mietspiegel  anheben, die Einheimischen damit verdrängen, die die Preise nicht mehr zahlen können. Die Kinder und Jugendliche sind in der Unterzahl und haben schwierige Zukunftsaussichten, gute Jobs sind natürlich rar. Auch wenn das Straßenbild viele Familien zeigt, so darf man nicht vergessen, dass es auf der Insel Kur-Kliniken für teils schwerkranke Kinder und Jugendliche gibt und die Familien viel Zeit miteinander verbringen möchten. Die Selbstmordrate unter Alt & Jung erreicht angeblich skandinavische Verhältnisse.

Erneut stellen wir fest, dass alles seine zwei Seiten hat. Wie überall auf der Welt, wo Menschen im Spiel sind. Für den einen präsentiert sich eine Romantik, für den anderen eine zu bewältigende Realität. Unser wildromantischer Blick auf Amrum wird klarer, aber nicht nüchterner. Wir werben sogar darum, Amrum-Fan zu werden. Für unsere Zielgruppe der Mitte ist sie genau richtig: Abspannen, Durchatmen, Träumen, das Leben neu gestalten, beharrlich den Alterdurchschnitt senken und gesenkt halten. Das kann man hier am allerbesten.

Zum #Amrum-Fotoalbum geht es hier.

 

Jetzt Fotoshooting auf Amrum buchen

So, JETZT habt Ihr die Gelegenheit:

Vom 7.-11. Oktober 2015 sind wir, die MittReisenden als Schnappschützen wieder auf unserer deutschen Lieblingsinsel Amrum.

Abgesehen davon, dass wir uns darauf freuen, der Blauen Maus wieder Umsatz bringen zu dürfen, bieten wir tagsüber Fotoshootings Strandabschnitt Höhe Campingplatz Amrum (Nähe Wittdün) an.

2 Fotografen / 1 Stunde = 190 € inkl. Nachbearbeitung und sämtliche Fotos in Vollauflösung zur freien Verfügung zum Download

Wer interessiert ist, einfach melden unter schnappschuetzen@hotmail.com

Referenzbilder: www.schnappschuetzen.de

Viele Grüße, Eure Sandra & Patrick

die MittReisenden Schnappschützen

 

Equipment – Grundsatzerklärung

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Ich mag gutes Equipment!

Ich würde sogar sagen, dass ich ein richtig großer Fan von gutem Equipment bin, von richtig(em) guten Equipment. Das hat im Wesentlichen drei Gründe:

Zum einen habe ich wirklich großen Respekt vor Menschen bzw. Unternehmen (und auch dahinter stehen ja Menschen), die grandiose Ideen für neue oder einfach gute „Werkzeuge“ haben, ich erfreue ich mich an Form und Funktion solcher „Werkzeuge“ und zum guten Schluss macht es einfach Spaß, „Werkzeuge“ zu benutzen, die einem die eigenen Unternehmungen möglichst leicht und angenehm machen. Ja, das ist es im Großen und Ganzen.

Und wenn ich einmal wieder neues Equipment benötige, weil ich mir etwas ganz bestimmtes vorgenommen habe zu unternehmen oder zu erleben oder auch einfach zu genießen, dann macht es mir einen Heidenspaß, mich stundenlang, tagelang oder auch deutlich länger mit einer, na ja, Sandra würde wohl sagen „spleenigen“ Recherche über das erforderliche Equipment zu beschäftigen. Ich mach das einfach sehr, sehr gerne. Punkt!

Beispiel Autozeitung

Seit ich 18 bin, habe ich jede einzelne Woche meines Lebens in der einen oder anderen freien oder „unbeobachteten“ Minute eine abonnierte Autozeitung gelesen, studiert, Daten in mich aufgesogen, abgewogen, welches Auto es sein würde, wenn ich einmal die Mittel besäße, mir ein anständiges neues Gefährt leisten zu können. Ich glaube ich war lange Zeit eine der umfassendsten KFZ-Datenbanken in ganz Deutschland. Die Recherche hat bis zu meinem 43. Lebensjahr gedauert. Dann habe ich über meinen besten Freund, der bei Volvo arbeitet, die Möglichkeit bekommen, meinen Traumwagen aus dieser durchgeknallten Mammutrecherche zu einem Preis zu erwerben, den ich aufbringen konnte. Die Zeitung habe ich jetzt abbestellt;-)… ja, es dauert mitunter bei mir, aber dann entscheide ich mich ganz schön konsequent.

Wofür ich mich entscheide

Wenn nicht für einen Volvo, dann in der Theorie immer für die Eier legende Wollmilchsau… leider gibt es die fast nie… eigentlich nie… aber man kann recht nahe rankommen, wenn man durchhält bei der Recherche.

Vorab stelle ich mir regelmäßig folgende Fragen:

  • Was will ich mit dem Equipment genau machen (Kernfunktionen, die unbedingt gehen müssen)?
  • Wozu soll das Equipment darüber hinaus noch taugen (die sogenannten Traumfunktionen: was stelle ich mit dem Zeug in meinen wildesten Träumen an… gar nicht so unwichtig, denn wir wollen unsere Träume ja auch verwirklichen)?
  • Welches Equipment fühlt sich besser an (die Bauchkomponente… hat bei mir einen ziemlich großen Einfluss) und natürlich die das Vorherige wieder deutlich relativierende Frage danach,
  • was ich bereit und/oder in der Lage bin, für das Equipment auszugeben und welcher finanzielle Aufwand noch angemessen ist und wann es ins Absurde abdriftet.

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Mit dem Equipment ist es nämlich sehr oft wie mit sportlichen Fortschritten.

Zunächst galoppiert man in Riesenschritten los und legt super schnell ordentlich an Leistung zu und dann verlangsamt sich das ganze doch immens bis man irgendwann zwei Jahre trainieren muss um noch eine Zehntel schneller zu werden. Ist beim Werkzeug oft ganz ähnlich. Zu Beginn kann man mit ein paar Mark jede Menge Mehrwert bekommen und dann braucht es auf einmal Unsummen um noch ein Quäntchen mehr Leistung heraus zu holen.

Ein super Beispiel sind Rennräder. Da geht es bei vielen Begeisterten oft darum, Gewicht einzusparen, damit man weniger Material mit sich herumschleppen muss. Um von 11 Kilo auf 8 Kilo herunter zu kommen muss man gar nicht mal sooo viel Geld einsetzen. Aber versucht einmal von 6,5 auf 5,5 Kilo herunter zu kommen. Dafür müsst Ihr Euer Auto verkaufen… mit Frau/Mann drin. Hier die goldene Mitte oder zumindest die Grenze zum Wahnsinn zu finden (und nicht zu überschreiten) ist manchmal gar nicht so einfach… vor allem wenn der Bauch naturgemäß „weiter, höher, schneller“ schreit.

Der langen Rede kurzer Sinn

Ich tüftele gerne die optimale Ausstattung für jede Art von Projekt aus… ich bin ein leidenschaftlicher Hardwareplaner. Und wenn jemand von Euch hier Hilfe braucht, dann stehe ich super gerne zur Verfügung und gebe meinen Senf dazu, natürlich erst, nachdem ich ihn recherchiert habe. Fragt einfach!! Das Thema (Equipmentkategorie) ist eigentlich schnurz… man kann alles lernen… und ich lerne verdammt gerne 🙂

Derzeit…
  • Autos: Muttersprache
  • Foto-Equipment: verhandlungssicher
  • Fahrräder: verhandlungssicher
  • Hifi-Equipment: fließend
  • Wohnmobile: fließend
  • Elektro-Zeug allgemein: Schulkenntnisse
  • Outdoor-Equipment allgemein: Schulkenntnisse
  • Gitarren: Schulkenntnisse
  • Motorräder: Schulkenntnisse
  • Ganz viel anderer Kram: Grundkenntnisse

Autor: Patrick

Patrick: Autor bei mittreisende.de

Equiqment-Beratung nötig?

dann schreib mir gerne eine mail

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Beschleunigen ist doch super

Wir sind eine Leistungsgesellschaft. Jawohl. Aber mal ehrlich: das macht doch auch Spaß?! Träges Döspaddeln in der brütenden Sonne ist bei unseren Wetterverhältnissen eh nicht drin.

Was soll ein Rennwagen im 1. Gang fahren, wenn er auch 280 km/h kann? Ich bin ein Rennwagen. Immer schon. Ich liebe es, schnell zu sein. Das kommt vom Ehrgeiz und es ist irre befriedigend, sich selbst seine Grenzen aufzuzeigen.

Und es ist wie bei allem im Leben: zuviel des Guten ist halt zu viel vom Guten. Wenn ich es übertrieben habe und vielleicht gerade aus der Kurve geflogen bin, heißt es: runter vom Gas.

Meine Taktik: ganz wortwörtlich LANGSAM machen. Alles. Ich gehe langsamer, ich schreibe langsamer, ich esse langsamer. Bis ich wieder bei mir bin. Funktioniert. Über Beulen im Blech jammern ist auch erlaubt. Hauptsache ich repariere mich – langsam. Und nehme die Kurve fürs nächste Mal besser.

Zeit fliegt nicht

Pause machen, Foto: (c) die Schnappschützen

Mit großen Augen schauen wir uns um: „wie die Zeit fliegt“.

Aber das stimmt nicht. WIR fliegen.

Du entscheidest: flieg drüber hinweg oder sei mitten drin.

 

 

Wir reisen und zwar anders

Unsere Eigen-Art zu reisen: Wenn man uns lässt bereisen wir mehrmals im Jahr für einige Tage jeweils ein anderes Land, um die Geheimtipps zu suchen und auf Fotopirsch zu gehen. Wir reisen gerne abseits der Touristenpfade, mischen uns unter die Einheimischen, meiden so gut es geht das Vorhersehbare. Manche Touristen-Hotspots sind es aus gutem Grund geworden und so führt gelegentlich kein Abseits-Weg daran vorbei.

Von all diesen Eindrücken berichten wir hier, mal mehr und mal weniger ausführlich – mit Humor und natürlich mit Bild. Nicht nach kulturellen Maßstäben sondern nach ganz subjektivem Erleben. Und das auch nur reduziert, weil uns bewusst ist, dass Ihr lieber Fotos gucken wollt.

Wir geben Euch inside-Einblicke und Adressen an die Hand, die wir besten Wissens empfehlen können.

Natürlich reisen wir gerne für folgende Gruppen auch im Auftrag und erstatten ausführlich Bericht – in Bild als auch, wenn gewünscht, mit professionellem Text.

  • für Bildbandverlage
  • für Webseiten
  • für Reisevermittler
  • für Anbieter von Ferienwohnungen
  • für Reise(ver)bände

Die übrigen Gelegenheiten nutzen wir für private Reisedokumentationen.

Da solche Berichte immer auch Arbeit bedeuten, kommen wir kaum nach. Doch im Laufe der Zeit werden die blogs vollständig. Solange könnt Ihr Euch ja vorfreuen.

 

Keine Angst vor morgen

Keine Angst vor morgen

Man lebt so sehr in der Zukunft, dass man Angst hat sie könne nicht anbrechen. Dabei reicht das Hier und Jetzt um alles zu haben.

Mit 19 rannte ich mit Dominique, einer neu gewonnenen Freundin aus Belgien, über den Strand von Montauk Point, USA, glücklich, da zu sein, wo wir gerade waren. In jenem Moment wurde aus tiefstem Herzen unser Lebens-Credo geboren: if I die today I will be happy anyway.

Wie schnell sich mir eine Angst mit einem Zwinkern empfehlen und ein Gefühl von ruhiger Kraft hinterlassen kann, wenn ich nur daran denke…

 

3 Highlights auf der Caravan 2015

3 Fragen

1. Warum tummeln wir uns auf der Caravan?
2. Was passt zu uns: ein Wohnmobil, ein Kastenwagen oder ist es der VW-Bus?
3. Sind wir fündig geworden?

Die Antwort auf die erste Frage ist: wer wie wir im Ausland gerne querfeldein reist, wird gelegentlich vom Einbruch der Dunkelheit überrascht und hat das Problem, auf die Schnelle eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Für diese Fälle hätten wir gerne ein Bett dabei – und: am nächsten Morgen bitte einen guten Kaffee, vorher nämlich reise ich keinen mm weiter.

Die Antwort auf die zweite Frage: querfeldein bedeutet, relativ leichtfüßig bleiben zu müssen. Wir müssen die Serpentinen hoch, Parkplätze in den Städten finden, nach Fotojobs bis Mitternacht muss es auch ein normaler Parkplatz tun. Ein fettes Wohnmobil oder ein langer Wohnwagen scheiden also aus. Ein ausgebauter Kastenwagen und ein VW-Büschen dagegen wären optimal. Alternativ akzeptieren wir auch einen Mini-Wohnwagen. Nuuuur: hübsch soll er schon auch sein. Und da fängt es an… das Elend, mit uns oder mit den anderen.

Die Antwort auf die 3. Frage: … nur 3 mal sind wir fündig geworden, in gefühlten 12 Hallen. Die Kernbotschaft der Caravan: kennst du einen, kennst du alle. Man unterscheidet sich nur noch in Größe, Aufteilung und technischem Schnickschnack. Aber die Designer der Inneneinrichtungen haben sich auf die Generation 70+ eingeschossen (womit nicht die Generation der in den 70er Geborenen gemeint ist, die jetzt ihr Einkommen und ihr Lebensgefühl in Wohnmobile & Co. umsetzen könnten). Holzdekore in allen Braun- und Beigetönen! Die farbenliebende und auf komfortable aber flotte Wendigkeit bedachte Generation „in den 70ern Geborenen“ wird nicht abgeholt. Ich möchte behaupten, dass dies auch für die Generation nach uns gilt, die mit einem mobilen und „home-sweet-home“-Lebensgefühl aufwachsen. So gesehen gibt es keinen wirklichen Grund, am althergebrachten Holzdekor festzuhalten. Und wenn, dann bitte wenigstens im Vintage-Style.

(unsere Reise-Identität lässt sich am besten mit dem Foto oben beschreiben)

3 Stück Favoriten

Hier also sind unsere 3 Stück Favoriten:

Flowcamper: ein dem VW Bulli-Gefühl nachempfundender VW Bus, mit bunten Sitzen, (herausnehmbarem) Küchenmodul, vielseitiger Verwandelbarkeit, bis zu 4 Schlafplätzen und bis zu 8 Sitzplätzen, Aufstelldach und integriertem Abenteuerfeeling. MEIN persönlicher Favorit, auch wenn die Frischwasser- und Abwassertanks nur 12l fassen und eine Reise an den Nordpol aus isolationstechnischen Gründen damit nicht zu bewältigen ist. 5 Sterne für die Wohnlichkeit.

Der Bresler Junior 496: ein Kastenwagen von knapp 5 Metern mit festem Hochdach, richtig hübscher Raumnutzung, die üblich dekorbeschichtenen Fronten kann man auch unbeschichtet bestellen, um sie selbst zu gestalten und zu versiegeln. Oder man bestellt das Mobiliar gegen Aufpreis gleich in der eigenen Wunschfarbe. Das geht auch. Insgesamt der Testsieger in der Kombination Kompaktheit, Funktionalität und Raumaufteilung.

Tonke, egal welchen: ja, mit ein bisschen Kleingeld ist das sicherlich der Wagen der Träume. Alle Wagen werden individuell angefertigt und zwar mit hochwertigen Materialien. Der Grundlook erinnert an den Schiffsbau, wir finden auch Anteile eines Zirkuswagens darin wieder, insgesamt luftig, liebevoll, groß und zu teuer für uns. Wir müssen sparen oder ziemlich gute Fotojobs bekommen.

Viel Luft nach oben

Es gibt auch Modelle, die wir im Ansatz gut finden, aber in 99% der Fällen scheitert der Zuschlag an den Holzdekoren des Typs „Poco Domäne“. Versuche, ohne Holzdekore zu arbeiten, fallen gleich ins andere Extrem und erzeugen die Wohlfühlatmosphäre einer Arztpraxis. Da nützen auch die Farben nichts, die eine Skala von technogrün, mausgrau, kaltblau und neonorange umfassen. Das vielgehörte Argument: man kann ja mit bunten Kissen…. verdrängt nicht genug der Langeweile. Derzeit ist die kreative Ideenvielfalt eine einzige Diaspora. Aber man könnte mal einen Wettbewerb unter Design-Studenten ausschreiben und sich überraschen lassen, was da alles geht an kreativ UND günstig. Alternativ: fragt doch mal mich, ich habe da soo viele Ideen und einen guten Riecher für Trends… 🙂

 

Nachtrag 1:

Nach langem Hin- und Herwälzen sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass wir kein Geld ausgeben möchten für ein Gefährt, dass uns nicht so richtig abholt. Wir möchten es schön haben und die am Markt angebotenen Modelle sind nicht schön oder nicht schön genug. Also werden wir jetzt ein gebrauchtes olles Ding mit guter Substanz für wenig Geld kaufen und uns den so herrichten, dass wir wunschlos glücklich sind.

Nachtrag 2:

Wie angedroht so umgesetzt. Hier (eine) unserer Vorstellungen von einem schönen Wohnwagen. Jetzt, wo er fertig ist, habe ich Lust bekommen, gleich noch mehr Modelle zu entwerfen. Einen Herrenwagen z.B., oder ein indisches Wellnesstempelchen, oder… oooh, da reift gerade eine Idee heran.

„Pimp your caravan“ (2) – Das Konzept

Pimp your caravan“ (3) – außen

„Pimp your caravan“ (4) – innen

2.000 km Fahrrad fahren: warum?

Tja, eine gute Frage, warten wir mal die Antwort ab. Denn ich langweile mich zutiefst beim Radfahren. Ich kämpfe mit jeder Umdrehung, weil sie mich vom Absteigen abhält.

Von Hause aus bin ich ein Fuß-Gänger. Zu Fuß schalte ich in den Stand-by-Modus und bleibe dabei langsam genug, um niemandem zur Gefahr zu werden. Ich kann in aller Ruhe meinen Gedanken nachhängen. Beim Fahrradfahren dagegen muss ich aufmerksam bleiben, sonst fahre ich wer weiß wo gegen und wer weiß wo hin. Von wegen schön Landschaft genießen und dabei Strecke machen.

Für mehr als zum Freibad fahren hat es für mich also nie gereicht. Außerdem: wie bescheuert bitte sieht man in den Radfahrklamotten aus.

Patrick ist da anders. Er ist von Natur aus Radfahrer und hat es sich in den Kopf gesetzt, ausgerechnet mich ans Radfahren zu kriegen. Was für eine absurde Idee! Die Wahrheit ist: er träumt mit offenen Augen von Radweltreisen und damit ich in seinen Traum einsteige, verkauft er mir eine abenteuerliche Theorie: nicht ich sondern mein Fahrrad trägt Schuld an meiner Unlust.

Wie ein Mantra wiederholt er über Monate: „Dein Fahrrad ist schlecht, dein Fahrrad arbeitet gegen dich.“

Und wie um dieser plakativen Gehirnwäsche greifbares Gewicht zu verleihen fängt er an, sich ein Tourenrad der Extraklasse zusammenzustellen. Jede Entscheidung für dieses und gegen jenes wird mir, dem unaufmerksamen Zuhörer, erklärt.

Er bespricht die Eigenschaften einer Kettenschaltung im Vergleich zu einer Nabenschaltung (wenn man sich auf Weltreise befindet – ja, er träumt immer noch), referiert über richtige Sattelhöhen, demonstriert mir die Funktionsweise von Ritzel, lässt mich auf Ballonreifen Probefahren, nur um mir zu zeigen, wie mühelos sie über Gelände gleiten. Er erörtert die Wahl des Rahmenmaterials während er mir die Wahl der Farbe überlässt.

Und da kapiere ich: er redet von MEINEM Rad…!

Da döse ich Monate lang durch seine Vorträge, nicke alles ab, sage brav, dass es bestimmt Spaß mache, damit zu fahren (um meine Ruhe zu haben) und stelle fest, ich habe mich schon viel zu weit reinreiten lassen, als dass ich sein Projekt noch guten Gewissens abblasen könnte.

Aber so richtig wache ich erst auf, als ich den Preis höre, den ich dafür zu bezahlen hätte: runde 2.000 €. Für ein FAHRRAD? Und was hat es noch mal mit dem Brooks-Sattel auf sich? Aus Leder, aha, passt sich an dem Popo an… nach mind. 800 km Einfahrzeit. 800 km… Bis zum jetzigen Zeitpunkt bin ich 30 fluchende km mit dem Rad gefahren, 800 km klingen nach einer Idee aus dem Drogen-Background.

Tja, und jetzt habe ich dieses Rad und den tröstenden Gedanken: zur Not kann man es ja wieder verkaufen.

Das war vorher. Ein Blick auf den Radcomputer: 2.000 km in 1,5 Jahren. Darin enthalten sind Touren an der Elbe entlang, die Tour de Fries, die Venn-Radbahn und eine Eifel-Rampentour zum Trainieren von Anstiegen. Inzwischen fahre ich Höchstgeschwindigkeiten von 50km und bleibe geduldig im 1. Gang bei Rampen über mehrere Kilometer.

Wenn ich kämpfe, dann nur noch mit der zu kurzen Zeit, die einem zur Verfügung steht, wenn man eigentlich einfach immer weiter fahren möchte, bis nach Finnland z.B. und darüber hinaus. Im Gleichklang mit den regelmäßigen Umdrehungen der Reifen, wum-wum-wum, den Kopf frei, die Gedanken leicht.

Ich muss leider zugeben: Ja, es lag am Rad.

PS: und wieder ja, ich trage inzwischen auch die völlig lächerliche Radfahrkleidung, weil: sie macht irgendwie Sinn…

 


 

 


 

 


 

Reise

 

Winter-Geheimtipp in den Vogesen

Ein perfekter Rückzug für den Jahreswechsel

 

Wo: Nähe Tendon, Vogesen

Vermieter: Sylvie & Hervé Claudon

Anfahrt: rund 411 km ab Köln – s. Karte

 

Wir haben eine Hütte gefunden. So eine, wie man sie immer in Filmen sieht

  • wo sich Paare hin zurückziehen um es sich auf einem Bärenfell vor dem Feuer gemütlich zu machen
  • wo Freunde zusammen sitzen und mit Fondue ins neue Jahr feiern
  • wo kleine Familien pädagogisch wertvollen Natururlaub verbringen

während es draußen – man sieht es durch die großen Panoramascheiben auf der Rückseite – dicke Schneeflocken vom Himmel fallen.

Die Hütte, das Chalet, steht mitten im Nirgendwo auf einem Hügel mit Ausblick auf die Vogesen, auf die Wälder und Wiesen, auf ein paar wenige Häuser bergab. Der Vermieter vermietet noch eine zweite Hütte etwas weiter unten. In der Nähe gibt es zwei Wasserfälle, „la grande cascade“ und „la petite cascade“. Man fährt 5 Minuten hin und erreicht sie nach einem kleinen Fußmarsch durch den Wald.

Es ist eine Spontanidee, die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr für eine Auszeit vom Rechner zu nutzen. Das Chalet finden wir über fewo-direkt, nämlich genau hier. Nach einem kurzen freundlichen und unkomplizierten Mailkontakt mit Sylvie und Claude Hervé fahren wir los, geradewegs hinein in den tiefsten Winter. Wie es dort aussieht, zeigen wir Euch gleich unten, die Tage sind eh schnell beschrieben: schlafen, stundenlang durch Winter-Märchenwälder mit unbeschreiblich hohen Bäumen stapfen, essen und Wein trinken vor dem Kamin.

Nach 3 Tagen kommen wir erholt zurück. Erholter als nach 3 Wochen Korsika im Sommer.

Wir sind überzeugt und sprechen hiermit unsere uneingeschränkte Empfehlung für dieses Chalet aus.

 

Hier ein paar Vorzüge im Überblick:

  • Empfang und Beratung durch die sehr freundlichen Vermieter Sylvie & Hervé, die das Haus übrigens komplett selbst gebaut haben
  • kreative und hochwertige Innengestaltung ganz aus Holz
  • Willkommens-Esspaket mit Produkten aus der Gegend
  • traumhafte Natur
  • Kamin
  • 2 Zimmer mit 5 Schlafplätzen (1 Doppelbett, 1 Etagenbett und 1 Einzelbett)
  • Sauna & Jaccusi (die andere Hütte ist ohne Sauna)
  • Panoramascheibe mit freiem Blick auf Schön
  • Veranda

Weiter oberhalb der Hütte gibt es einen Bauernhof, der köstlichen eigenen Käse herstellt. Auch ein Muss!

 

So gemütlich sieht´s innen aus:

 

So imposant sieht es drumherum aus:

Irland – ein schräg-alternativer Reisebericht

 

Die Reise dauert genau 8 Tage. Sie beginnt am 10.3.2012 am Flughafen Düsseldorf und endet dort am 18.3.2012.

Zwischen diesen beiden Daten liegen aufregende Tage und St. Patrick´s Day. Doch statt mit einem Reiseführer endloser Bauwerksbeschreibungen zu langweilen, lassen wir Euch an unserem ganz privaten Irland-Eigenleben teilhaben.

Natürlich und gerne dürft Ihr Eure Feedbacks & Kommentare hinterlassen.

Enjoy!

Sandra & Patrick

 

 


Tag 1: Hochzeit & Frittenfett


Das neue irische Selbstbewusstsein

Noch vor 4 Jahren galt das irische Essen zurecht als ungenießbar.

Import-Junkfood statt grüne Frische.

Doch inzwischen hat sich die Einstellung der Iren zu den eigenen Produkten grundlegend gewandelt. Man wirbt mit „100% Irish Beef“ oder „exclusively sourced locally“.

Endlich!

Denn es reicht ein Blick auf die saftigen Weiden, um zu wissen, dass keine Kuh, kein Schaf der Welt glücklicher ist als hier. Allein: die Iren wussten nicht, wie ungewöhnlich gut sie es haben und stellten ihr Licht unter den Scheffel.

Jetzt wissen sie es jedenfalls, sind zurecht stolz auf sich und ihr Land, auf ihre Natur und das, was sie daraus an Essbarem zaubern können.

Wir begannen unseren kulinarischen Trip jedoch mit der Ausnahme

 

Erster Hungerstopp in Athy (A:th:ai) nach der Landung in Dublin.

Ein Take away italienischer Provenienz wirbt mit den besten Fotos von Fish & Chips. Wir bestellen und staunen nebenbei über den Schultüten-Service.

Es endet alles auf „… & Chips“. Selbst das Lasagne Menü.

Sollten sich die Kinder von den „Schultüten“ ernähren, werden sie ihre Volljährigkeit vermutlich nicht erleben.

 Wir brechen zu einem Verdauungsspaziergang auf. Geht nicht anders. Sowohl Fish als auch Chips setzen uns zu und nehmen entsprechende Auswirkungen auf unsere „gefühlte Leichtigkeit“.

Wie beschreiben wir am besten das Essen? Qualität: Sondermüll! Geschmack: Fisch unter der Brent Spar hergezogen (nach der Explosion), Fritten: in Streifen geschnittene, frittierte Klumpfüße außerhalb des Haltbarkeitsdatums! Und alles bunt zusammengeschmissen in einer dicken braunen Papiertüte, wie sie in den USA zur Verpackung von Alkohol benutzt wird. Nur viel größer. Und der Inhalt ungesünder als Alkohol (egal in welcher Menge) es jemals sein könnte.

Dafür erweist sich der Schaufensterbummel gleich als hochzeitsfotografischer home-run… wow, wir fühlen uns heimisch. So: diese Fotos sind für Euch.

Die Hausherrin erzählt uns davon, wie teuer die Hochzeitsfotografen in Irland seien.

Wir schauen betroffen drein und es endet damit, dass wir Kärtchen austauschen. Wir beschließen, die Schnappschützen-Webseite auf mind. zweisprachig zu erweitern, damit es unsere neue Irland-Dependance-Agentin leichter hat.

Der Tag geht vorbei. Wir vergessen die Zeitumstellung und sitzen 1 Stunde zu früh im Pub, um dort – immer noch – an der Verdauung der Chips zu arbeiten. Wir lernen einen neuen Freund kennen, Jameson, und seinen Kumpel Guiness… sehr hilfsbereite Typen. Sie kennen sich mit Fettverbrennung aus.

 


Pub (Port Magee), Ring of Kerry, 23h, 2. Tag


wir haben das Geheimnis um die Existenznotwendigkeit der frittierten Lebensmittel gelüftet! Man muss dazu in einem Pub sitzen, ganz nah an der Theke… ach, wir hätten noch mehr Fritten essen müssen.

 

S: *hicks Wenn man sie ißt, verträgt man mehr von diesem schwarzen Zeug…

P: …und von einem Typ, der Jameson heißt und in einer recht hübschen Flasche lebt *kleines hicks

S: was, ganz allein???

P: …aber er hat jede Menge Brüder, die zwar nicht genauso heißen… sonderbar… aber genauso nett sind!… Und die sehen alle gleich aus…

S: oh?!…

P: ich habe übrigens gerade dein Bier getrunken…

S: … oh…

P: … oh was? Weißt du überhaupt noch, wo unser Zimmer im Hostel ist?

S: … em, da hinten?

P: aha… danke!

S: … im Norden?…

P: oh, jetzt erinnere ich mich?!

S: coool… ich gerade nämlich nicht…

P: ich bring dich nach Hause, Baby… frag nur kurz Jameson nach dem Weg. Und wenn der nicht Bescheid weiß, dann der alte Guiness.

S: cooool… ich erinnere mich grad nicht

P: oook! Verstehe, jetzt wirds wohl hart. Aber ich kenne jemanden, der dir helfen kann… heißt Ardbeg und wohnt hier um die Ecke!

S: …

P: Shit! Die Autofokuspunkte verlassen sie… einer nach dem anderen! Und der Tastsinn… wo ist der Stift?

S: cooool…

(peace and sunshine all over the world)

Danach isst Sandra einen Kaugummi an der frischen Luft und damit ging für sie persönlich auch das letzte Licht aus.

 

Es war vorher nämlich so…

Die Frau ist heute mit nem 10kg Fotorucksack & Esprit-Halbschuhen mit Kreppsohle einen ganzen großen irischen Berg hochgeklettert!!!…

Gleich nach dem Full Irish Breakfast, bestehend aus Toast, 2 fettigen Würstchen, black & white pudding, Spiegelei, gebratener Tomate und Pilzen, erkundeten wir Lismore etwas genauer. Das taten wir zu Fuß, natürlich durften die Kameras niemals alleine im Auto bleiben. Zuerst begutachteten wir Lismore Castle nebst Park, dann füllten wir unsere Wasserflasche mit glasklarem Gebirgswasser aus dem Brunnen.

Schließlich machten wir uns auf in Richtung Killarney. Die Sonne schien, die Blase voll mit Gebirgswasser drückte.

Also hielten wir in Killbert an und sahen diesen wunderschönen Hügel. Je näher wir an ihn heranrückten, desto größer wurde er allerdings. Dummerweise hatten wir uns schon gegenseitig die Leichtigkeit des Aufstiegs beteuert, so dass ein Rückzug aus Stolzesgründen nicht mehr möglich war. Die weichen Gräser waren in Wirklichkeit stachelige Büsche. Wir stapften trotzdem los.

Patrick hatte leider Nacken, ich deshalb das Gepäck – und die Schnappatmung. Dafür belohnte uns der Berg mit einem brutal schönen Ausblick.

An der Stelle eine Empfehlung! Man muss in Irland nicht alles wörtlich nehmen.

Die Straßen sind gerne kurvig, die Kurven führen gerne über einen Hügel, dessen hinteren Verlauf man nicht kennt, man darf diesen Hügel mit 100 km/h nehmen und: fahrt bloß immer linkser als links. Die Iren fahren schnell, die Straßen sind genau auf Autobreite angelegt, Trucks interessiert das nicht. Der Beifahrer sollte sich in Vertrauen üben, denn die meiste Zeit sieht er die Straßenbegrenzung neben sich nicht mehr.

 Was uns zu heiteren Vorstellungen bei der Rückgabe des Mietautos animierte.

„Hi there – did you have a good trip?“

„Yes Sir, but we lost some of your car. It´s rather like a motorcycle now. You´ll get used to it, just don´t move too much. The bad part of it: the radio was on the left hand side. The good part: my wife is gone.“

und so weiter halt.

(naja, eigentlich bin ich die ganze Zeit gefahren, Patrick hatte ja Nacken und konnte nur nach rechts gucken)

 

Wie auch immer: wir cruisten den Ring of Kerry, der für den Fahrer wenig Gelegenheit zum Genuss der Landschaft bot, dem Beifahrer aber ein anhaltendes „oaaah“ entlockte. Nächster Halt: Cahirciveen.

Dort nahmen wir im Irish Pub Shebeen eine grandiose Soup of the Day und den besten Irish Coffee ever. Der Pub riecht nach Pipi, aber das Essen dort ist im besten Sinne überregional bekannt.

Alles in allem reichte uns das Örtchen nicht, um uns dort eine Bleibe für die Nacht zu suchen. Wir strebten Knightstown an. Auf dem Weg gelangten wir zufällig nach Port Magee. Der Anblick des Hafens überzeugte uns, außerdem sahen wir ein urgemütliches Pub, wir blieben.

Naja,  wie es dann weiterging und endete, wurde ja bereits oben beschrieben…

 


Tag 3: Kaffeeee!


Weil ich günstigerweise noch gar nicht ausgezogen bin, brauche ich mich auch nicht anzuziehen, um nach dem Aufwachen sofort ins nächste Café zum Frühstück zu stolpern.

Fiona sitzt zufällig auch dort. Sie grinst breit und lobt uns. Wofür noch mal? Em, vielleicht, weil wir ihre Mutter stolz gemacht hätten? Egal, der Kaffee ist stark, wir verabschieden uns und setzen uns verkehrt herum ins Auto. Der Fahrer mit dem Schlüssel sitzt auf dem Beifahrersitz und umgekehrt. Die Autos sind irgendwie total verdreht hier.

 

knightstownFahren schließlich noch Knightstown an. Gesehen. War schön. Oder auch nicht. Wer weiß es schon. Abgehakt. Weiter geht´s.

Patrick hat Nacken und Jameson. Wir füllen die Gebirgswasserflasche mit Aspirin auf und fahren so durch die Lande. Mitten in der irischen Prärie halten wir unser 2. Frühstück: irischer Apfel, irischen Cheddar, irischer Brownie, im Radio irische Folklore. Wir fühlen uns wie Iren und sprechen gälisch.

 

In Tarbert nehmen wir für 18 € eine Autofähre nach Kilrush, um uns den Umweg über Limmerick zu sparen. Auf diese Weise überqueren wir den Shannon, was einfach so ein tolles Gefühl ist.

Es ist März, der schottisch-irische Kampfginster blüht. Es ist wunderschön, mit dem Auto durch die Weite zu fahren und die Augen der Landschaft zu überlassen. Der Weg ist unser Ziel.

Übrigens: Wir glauben, die alten Iren setzen sich zum Sterben in blaue Autos, fahren einfach drauf los, bis es vorbei ist. So zumindest unsere Vermutung. Es war auffällig, dass es nur die blauen Atuos waren, die man mit einem zügigen Gehstil hätte überholen können. Ein Blick in die Fahrerzelle offenbahrte stets gefühlt 100-jährige Piloten, die ohne bestimmtes Ziel unterwegs zu sein schienen.

Cliffs of Moher. Inzwischen bezahlt man den Parkplatz mit 6 € / Person. Einer von uns hätte auch vorher aussteigen können, dann wäre es bei 6 € geblieben, denn kontrolliert wird man hinter dem Parkplatz nicht mehr. Der imposante Blick lohnt sich jedenfalls allemale.

burrenWir fahren durch den Burren im County Clare, einer Mondlandschaft mit jeder Menge Potential für ABM und 1 € Jobs.

„So Jungs, ich möchte, dass ihr jetzt mal die Steine wegräumt!“

 Wir bleiben im Burren. Die Kargheit der Mondlandschaft hat ihren geistreinigenden Reiz.

Nachts kehren wir im Logues Lodge B & B ein. Die Zimmer sind ein kolonialer Traum, es lodern – wie überall – offene Kamine, das Roastbeef ein Beweis für maximale Frische irischen Fleischs. Störend allein sind die – ebenfalls wie überall – hängenden Flachbildschirme. Was willste sonst machen, aber schön sind diese Zapfanlagen

Es läuft Fußball. Es läuft nicht gut für mich. Ebenso wenig für Patrick, dem das Talent zum Entertainment ausgegangen ist.

P: „Ja, so ist das, ich ziehe sie alle in meinen Bann. Sandra fängt vor Spannung schon an, Zapfanlagen zu fotografieren.“

21:24h: Ende Tag 3

21.28h: …eh, doch noch einen Jameson bitte…“

 

 


Tag 4: Connemara & The Institution


Der Kaffee hat´s getan, wir sind wieder auf der Straße. Und was für einer. Irgendwann hält es uns nicht mehr im Auto, streifen umher, nehmen die Wege, die nicht mehr auf der Karte stehen. Wir sind in Connemara, Joyce Country angekommen. Wir sehen die berühmten Connemara Pferde, verlieren den Bezug zu Zeit. Das Leben ist schön.

Ein kurzer Halt bei Kylemore Abbey. 12,50 € Eintritt, kommerzielles Fotografieren nicht erlaubt. Wir schauen uns die Fotos im Aushang an und fahren weiter. Heute gibt es kein Foto für Euch.

…von der Abbey vielleicht nicht, dafür aber von: The Institution!

Wir sprechen von „The Old Monestary Hostel“ in Letterfrack.

Nichts für Allergiker, die würden auf der Stelle in einen anaphylaktischen Schock fallen, aber definitiv eine eigene Fotostrecke wert. Wir zeigen Euch mal ein paar Zimmer…

Noch ein paar Zeilen zum Hund des Herbergsvaters Steven: Der Hund ist ein Mädchen und heißt Chai. Wir haben sie „Chai Ratte – das energetische Erdmännchen“ getauft, und sie hat einen Sinn für Gefahr. Ein Hund, voller Respekt vor uns, aber nicht vor den 40 Tonnern auf den irischen Straßen. Wir wollten eigentlich essen gehen und 1-2 alte Freunde treffen, ihr wisst schon wen. Chai aber wollte Gassi gehen. Sie alle 5 Minuten vor jeder Art von KFZ zu retten zermürbte. Wir brachten sie nach Hause.

Sandra fragte mich in dem Zusammenhang:

„Dass Steven keine Angst um seinen Hund hat?“ – um sich 1 Sekunde später in unnachahmlicher Logik zu verbessern… „um ihren Hund hat?“ (ist ja schließlich ein Weibchen!)

– 3. Versuch: „…um seine Hündin“?

(der ist für Yvonne – oder meintewegen für Dein Klo-Buch)

Wir gingen unsere Freunde besuchen.

 


Tag 5: Irish Session mit Snowpatrol


Backen kann Steven der Herbergsvater jedenfalls – herrliches Soda-Bread zum Frühstück mit Porridge. Wir frühstücken zusammen mit ihm und der Französin Marion. Dabei erfahren wir vom schönsten Strand der Umgebung.

Und finden einen neuen treuen Begleiter…

Ein Full Irish Breakfast bringt einen tatsächlich durch den Tag – und das hatten wir heute Morgen nicht.

Wir leisten uns den Luxus des Sligo Best Western Southern Hotel – die Hostels haben uns alle nicht aufgemacht.

Abgesehen davon, dass Sligos Towncenterbeschilderung dich alle 30m nach rechts schickt, bis du einmal im Kreis herumgelaufen bist (und alles gesehen hast), gibt es sehr interessante Pubs hier.

 

Ab hier folgt nur noch eine Beschreibung des unbeschreiblichen Abends im furey´s est. 1969.

Es ist kein Zufall, dass wir hier sitzen. Wir haben uns nämlich schon länger etwas gewünscht, für das wir bisher immer 1 Tag zu spät oder zu früh kamen… wir finden uns allen Ernstes und endlich in einer Irish Session wieder.

Sie finden in Pubs statt und man trifft sich, um Musik zu machen. Jeder, der mag, darf was singen, oder die Bodhran / Whistle / Löffel / Fiddle / Gitarre spielen. Traditionellerweise werden Irish Traditionals gesungen. Ein buntes Potpourrie an Stimmen und Melodien. Ich liebe es.

Es gibt also eine Irish Session, die Augen leuchten in Erwartung und der Pubbesitzer eröffnet gleich mit „Run“ von Snowpatrol auf der Gitarre. Himmel, was ist mit den Iren los? Traditional Irish Sessions erweitert auf Popsongs?! Ich bin sprachlos, Patrick begeistert. Er weiß gar nicht, was er zuerst machen soll: mitsingen, reden, klatschen oder atmen. Es war sein gesungenes Hochzeitslied an mich.

Der Nächste singt „Fix you“ von Coldplay. Es hätte nicht schlimmer kommen können. Patrick trommelt mit. Dann packt ein leicht angetrunkener Mann sein Traditional Repertoire und Entertainer-Gen aus, singt Paddy´s Song, bis der Laden kocht und Patrick den Heldenstolztod stirbt.

Es gibt keinen Ort der Erde, an dem Patrick seinen Namen jetzt lieber preis gibt.

Und danach singt Bridget, die Frau neben uns. Sie hebt zu einer gälischen Weise an. Der Laden ist auf einmal totenstill. Kein Männerpups mehr zu hören, andächtiges Lauschen bis hinter die Theke. Mir läuft die Gänsehaut rauf und runter.

Bridget ist übrigens Grundschul-lehrerin. Wie wir erfahren durften, müssen Grundschullehrer in Irland eine musikalische Ausbildung haben und singen können. Wer das nicht kann, darf keine Kinder unterrichten (was erklärt, warum wir Deutschen uns mit Schlager und NDW blamieren).

Man hält uns für judges, weil wir ständig in unserem Reisetagebuch herumkritzeln und alles genau mitschreiben.

 Die Wahrheit ist: ich brauche ein Ventil, denn während der Mann von eben nun „Whiskey in the Jar“ singt, hat Patrick einen Weg gefunden, seinen aufgepeitschten Emotionen Ausdruck zu verleihen. Er trommelt Tisch, ein Ire den dazu passenden Barhocker. Mit Ellenbogeneinsatz und allen Flachteilen, die man sonst noch auf die Tischplatte hauen könnte. Die beiden verstehen sich. Sie trommeln sich in Extase und haben das wilde Leuchten jungenhafter Männlichkeit in den Augen.

Wie gesagt: kein Foto heute, nur ein Taxi nach Hause, weil Patrick, Jameson und Guiness den Weg nicht mehr wissen (100m um die Ecke) und ich eh nie aufpasse…

 


Tag 6: Chicken Maryland


Der Tag beginnt mit Ausschlafen und 3 Tassen Kaffee. Wir wagen uns noch weiter hoch in den Donegal – eine Leistung, wenn man bedenkt, dass wir in nur 8 Tagen einmal ganz rum um Irland gefahren sind – ohne Stress wohlgemerkt.

Wir haben Sonne, buchstäblich. Die anderen nicht. Über uns hält sich trotzig ein blauer Himmel, während es links und rechts regnet. Was macht man anderes, als an die Küste zu fahren und einfach nur stundenlang durch die liebliche Landschaft des Donegal zu wandern?

Höchstens abends ein B & B suchen und dann essen gehen. Genau so wars.

 

Patrick hat inzwischen Geschmack an Hotels gefunden, ich protestiere überzeugend:

„Wie kommt man wohl leichter bis ins Wohnzimmer der Einheimischen als mit B & Bs, wo man die pikanten Geschichten erfährt und das home-made Frühstück mit Freundschaftsanfrage bekommt, he?“

Wir entscheiden uns fürs Brae House B & B. Man empfiehlt uns ein Restaurant, das geschlossen hat und so weichen wir auf Charlie´s Westend Café aus. Folgenschwer

Charlie´s Westend Café´s Speisekarte

ach… der Körper schreit nach Vitaminen, nach fettfrei. Ein mageres Hühnchen, mit Obst und Gemüse. Ja, das verspricht „Chicken Maryland“. Es wird bestellt.

Und geliefert. Aber was genau wird da geliefert? Ein großer Teller voller frittierter Bauteile… eigentlich ein Überraschungsei, man weiß nicht, was drin steckt. Was eigentlich auch völlig egal ist: Hühnchen, Würstchen, Bügeleisen, Handgranate… die Wirkung auf ein organisches System ist und bleibt dieselbe: desaströs!

Ich starre ungläubig auf die frittierte Vielfalt, der Traum von Vitaminen und fettfrei löst sich in Fettaugen auf. Ich esse einfach drauf los und hoffe, irgendwo die versprochene Banane zu finden.

Was wir später finden, ist die Erkenntnis, dass nur noch Jameson helfen kann, die im Magen entstandene Fritteuse zu zersetzen. Wir verstehen die eigentliche Erfindung des Irischen Whiskeys als Lebenshilfe statt als Genussmittel. Wenig später fallen wir mitsamt unserer Bäuche ins Bett und stehen erst mit der Morgensonne wieder auf.

 


Tag 7: Der Tag davor


Der Tag besteht aus verregneter Rückreise nach Dublin über die Toll-pflichtige Autobahn.

Zeit genug, um sich bewusst zu machen, was Irland auszeichnet.

  • Man ist hier sehr freundlich zueinander. Selbst im Gedränge wird Rücksicht genommen.
  • Das Wasser ist butterweich.
  • Bodylotion ist das überflüssigste Utensil im Reisekoffer.
  • Das Klopapier ist genauso weich, leider auch tendentiell saugunfähig.
  • Es ist völlig in Ordnung, in Jogginghosen herumzulaufen, das scheint hier gerade Trend zu sein.
  • Das Essen ist extrem frisch, mit Neigung zur Überfrittierung.
  • links fahren ist Gewöhnungssache, zuerst rechts gucken beim Überqueren der Straße allerdings auch!

Unser im Voraus gebuchtes Glenshandan Lodge Guest House in Swords (S:uo:rds) liegt nahe am Flughafen und nahe an Dublin. Perfekt!

Perfekt, um abends die Hauptstadt Irlands in Vorbereitung auf das große Ereignis des St. Patrick´s Day zu erleben.

Und zwar in Temple Bar!

Man braucht nicht viel zu sagen, die Fotos sprechen für sich.

Massentreiben wie in der Kölner Altstadt, mit grandioser Live-Musik im Old Storehouse (in dem es Belgier, Schotten, Holländer, Deutsche & Schweden gibt, nur eben keine Iren), nächtliche Ansichten Dublins zur Beruhigung.

Sandra hält ihre Kamera mit eisernem Griff, was den harmlosen Spanier Carlos verstört und seine Unschuld beteuern lässt. Ricardo & Paco beteuern dagegen eifrig, kein Englisch zu verstehen. Müssen sie ja auch nicht…. wir sprachen spanisch?!

Naja…


Tag 8: Patricks großer Tag – St. Patrick´s Day


Der Tag der Tage, der Grund für unsere Reise nach Irland:  

St. Patrick´s Day.

Patrick hat seinen Namen seinerzeit aus Irland mitgebracht bekommen, also will er das Gefühl des stellvertretend gefeierten Nationalheiligen genießen und Freibier trinken dürfen.

Auf geht´s mit passender Farbtarnung und 4 netten Spaniern im Taxi nach Dublin.

Es ist zwar kalt, aber die Sonne scheint, die Jugend entscheidet sich für die Eitelkeit und läuft mit nackiger Haut herum – wie halt in Deutschland auch. Wir trennen uns von den Spanieren und sind jetzt nur noch Sucher und Auslöser!

Als Paradenerfahrene haben wir solches nicht erwartet: die St. Patrick´s Day Parade ist ein Must-Have-Seen!

Was ein WAHNSINN! Wir sehen eine Parade, die aus Fantasy und mystischen Gebilden höchster Kreativstufe besteht. Die Fußgruppen laufen nicht mit, sie performen ihre Kostüme. Sänger auf wirklich hohen Wagen, Dudelsack-Gruppen…

Wir hören auf zu schreiben und zeigen Euch ab jetzt nur noch Bilder!

Damit endet auch unser alternativer Reisebericht, wir flogen halt ganz unspektakulär am nächsten Morgen zurück nach Düsseldorf.

Konntet Ihr uns folgen? Hinterlasst uns gerne Eure Feedbacks und Kommentare.

Slàn leat!

Sandra & Patrick

die Mittreisenden