Durch Südtirol zu radeln hat etwas Entspannendes. Die Natur ist leicht, abwechslungsreich und lieblich. Im Sommer. Ein bisschen Sommergefühl haben wir an diesem Morgen, denn die Sonne scheint und der Schnee scheint sich zurückzuziehen. Wir passieren kleinere Radtunnel und haben unseren Spaß daran.

Wenigstens eine Tageshälfte lang. Die zweite Tageshälfte wird schon wieder weißer und wir fragen uns, wohin das noch führen soll. Geradewegs in die Dolomiten, um es vorwegzunehmen.

Aber zuerst führt es uns an einen See, der uns idyllisch und tief verschneit im Weg liegt. Es gibt zwei Möglichkeiten:

  1. weiter auf der Autoschnellstraße
  2. oder den Uferweg entlang.

Wir betrachten die Uferlinie und denken, „ach, so groß ist er nicht. Sandra sagt: „Lass uns den Uferweg nehmen“.

Das hat Folgen. Da trifft sie einmal eine Weg-Entscheidung und schon stehen wir im ewigen Tiefschnee. Endlose 5 km lang schieben wir uns durch Schneebänke (bergauf natürlich). Es wird immer später am Tag. Beide bereuen wir Sandras Entscheidung und beschließen, bei der nächsten Gelegenheit auf die Straße zu wechseln. Dumm nur, dass es zwischen See und Straße keine Verbindung gibt. Also plagen wir uns mit letzter Lust eine angriffslustige Böschung hoch – die Taschen werden separat geschleppt – und hiefen das ganze Geraffel über die Leitplanken. Das Glück des Schiebenden sieht dann so aus:

Auf die Straße zu wechseln bedeutet, nun zusammen mit donnernden Sattelschleppern verbotenerweise durch einen langen Tunnel fahren zu müssen. Es ist unsäglich laut und dunkel, wir konzentrieren uns auf die schmale Linie, die uns zur Verfügung steht und beten innerlich, bald und am liebsten heil wieder draußen zu sein.

Das war weder schön noch besonders nachahmungswert. In Welsberg /Pustertal suchen wir uns eine 66€ günstige Herberge und gehen abschließend nur noch im Goldenen Löwen auf der Hauptstraße etwas essen. Das allerdings stellt sich als eine wahre Entdeckung heraus (das Haus ist von 1684, die Pizza ist hier eine Delikatesse). An dieser Stelle eine klare to-go Empfehlung! Findet auch tripadvisor.

Ende der 3. Etappe „alpin-mediterranes Lebensgefühl“.

Staunend in die Dolomiten

Beginn 4. Etappe: UNESCO-Welterbe Dolomiten

Pustatal WelsbergSehr früh morgens brechen wir nach einem vertrockneten Frühstück auf und erleben auf diese Weise eine atemberaubende Morgenstimmung im Pustertal. Die Farben wechseln wieder in den weiß-changierenden Bereich. Mit einer ganz eigenartig erregten Spannung fahren wir den Dolomiten entgegegen.

Wir wissen so gar nicht, was uns erwartet. Was wir wohl wissen ist, dass die Radwege zunehmend unbefahrbar werden, die Landschaft dagegen immer schöner wird. Wir werden schweigsamer.

Vor uns breitet sich das Panorama der Dolomiten aus. Leider ist der Himmel verhangen, aber das hat höchstens Einfluss auf die ausbleibenden Fotos. Wir fahren wie ferngesteuert die steiler werdenden Straßen entlang. Insgesamt führt sie uns 1.500 m hoch.

Dann ein aha-Erlebnis: es ist Winter. Diese Erkenntis wird ausgelöst durch die überraschende Tatsache, dass unser Radweg zwei Spuren hat, die wir anfangs dankbar in Anspruch nehmen, dann aber schnell merken, dass wir uns auf den Loipen einer Skilanglauf-Meisterschaft befinden.

Das erklärt auch, dass die Reisespesen recht teuer ausfallen, denn wir fahren zur Hauptsaison. Nennt uns jetzt naiv, sagt es aber bitte nicht so laut. Wie schon erklärend vorangesetzt: wir kommen aus dem Rheinland und da ist im März Nebensaison – egal wofür.

Zurück zur Piste: Profiradsportler (ohne Gepäck) begegnen uns mit anerkennendem Kopfnicken, wir (mit Gepäck) nicken stolz zurück. Man fühlt sich für einen kurzen Moment einem Fremden vertraut. Hätten wir vorher gewusst, was auf uns zukommt, wir wären erst recht gefahren. Die Dolomiten zu der Jahreszeit mit dem Rad zu erfahren, ist eine Bereicherung fürs ganze Leben.

In San Vito di Gadore beenden wir nachmittags die Tagesetappe und nutzen die freie Zeit für Wanderungen durch die Natur. Und für ein Abendessen mit dem kleinsten Bier der Fahrradwelt.

Abflug

Wisse: nach 1.500 m hoch geht es auch 1.500 m wieder runter. Das passiert am nächsten Tag. Bei Sonne und guter Laune sausen wir an Cortina D`Ampezzo vorbei (s. Bild), durch Dörfer und noch mehr Dörfer, die Beine nutzlos auf den Pedalen liegend. Es wird wärmer, lieblicher, und weg sind sie. Die Dolomiten.

Es geht einfach immer weiter bergab. Wir fahren durch hübsche Örtchen, treffen auf einen netten Mann, der uns seinen Restaurant-Geheimtipp in Venedig verrät, genießen die wahnsinnsschönen Radwege an emeraldgrünen Wasserwegen entlang. Diese Etappe empfinden wir bisher als das schönste Stück und das will was heißen. Auch ist man inzwischen nicht mehr verwundert, wenn wir sagen, wir wollen nach Venedig, denn wir sind nahe dran. 476 km liegen hinter uns – nur noch ca. 114 km vor uns. Eigentlich schade, es war unser Ass im Ärmel, wenn wir uns mal kurz verwegen fühlen wollten.

Und wieder ist Montag Ruhetag – und wieder finden wir nichts zum Absteigen. Der Rest hat geschlossen, weil kaum Gäste unterwegs sind. Das Albergo Bortoluzzi in Farra d`Alpago nimmt uns schließlich auf und zum Dank nehmen wir deren sehr gute italienische Küche in uns auf.

wasserstrasse-10Und dann bekommt Sandra langsam Halsschmerzen…

Wie geht´s weiter?

So kurz vor dem Ziel? Ein Schluck Wasser in einer Kurve zuviel. Weiter geht´s mit dem letzten Teil, mit Teil 5.

3 Kommentare
    • Sandra
      Sandra says:

      haha… nein, der steht tatsächlich noch aus wegen Zuvielumdieohren. Aber jetzt, da wir wissen, dass jemand darauf wartet, werden wir ihn schleunigst zuende bringen.

      Antworten

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