Mutter-Tochter-WE (18/45)

Das Warum:

Meine Tochter ist 18, ich bin 45. Vor einigen Jahren haben wir angefangen, in angemessen großen Abständen Wochenendtrips zusammen zu machen,

  1. weil wir es lange nicht konnten
  2. weil wir auf diese Weise unsere Beziehung zueinander pflegen.

Und das war eine richtig gute Idee. Die großen Abstände (ca. 2-3 Jahre) sorgen hierbei für das anhaltend Besondere daran.

 

Unsere Kriterien sind:

  • es muss mind. 1 Stunde Anfahrt haben (um Abstand zum Alltag aufzunehmen)
  • wir fahren immer mit dem Auto / Puppenstube (weil wir die Fahrten so lieben, in denen wir uns zum Auftakt das Auto mit kiloweise ungewohntem Proviant vollladen, um aus dem Vollen schöpfen zu können)
  • es muss schon freitags losgehen
  • das Programm muss eigenaktive Elemente enthalten, in denen man nicht fremdbespaßt wird. Zu viel „oooh und woooow“ lenkt voneinander ab. Eine kleine hässliche Sauna ist also einem sensationellen Wellnesspark vorzuziehen, auch, wenn das in unserem Fall eher unbeabsichtigt war

 

Tourdaten:

Campen in ArcenDiesmal haben wir uns ein Frauenprogramm mit Selbstversorgung ausgedacht. Es geht mit der fahrbaren Puppenstube (gemeint ist der Vintage-Wohnwagen, den ich dieses Frühjahr gekauft und generalgepimpt habe) nach Holland.

 

 

  • Freitag Nachmittag: Abfahrt zum hübschen minikleinen Mini-Campingplatz in Arcen
  • Samstag: Wellnesstag im Thermaalbad Arcen mit gebuchter marokkanischer Hamam-Massage
  • Sonntag: Shoppingtour in Venlo beim Stadtfest mit Konzerten, abends: Rückfahrt

 Gefüllt wir das Gerüst mit: Gammeln im Wohnwagen, Chips essen, trinken was man sonst nicht trinkt (Capri Sonne und Hugo), lustige Hörspiele anhören, Karten spielen, Musik hören, singen, erzählen, kuscheln, vom Leben erzählen, das Bett nicht machen.

 

Abenteuerlich & faul:

Planmäßig verläuft die Abfahrt. Unplanmäßig dagegen die Ankunft. Zweimal misslingt uns ein Wendemanöver mit dem Anhänger, was zur Folge hat, dass wir uns auf der Straße verkeilen. Also müssen wir den Anhänger abkuppeln, wieder in Position ziehen, das Auto davor setzen und wieder ankuppeln. Schön, wenn man dabei Zuschauer hat :). Noch schöner, wenn Tochter mit anpackt und wir die Kuh, eh, den Camper zusammen von der Straße ziehen. Wir sind stolz auf die gemeinsam bewältigte öffentliche Peinlichkeit. Bei der Abfahrt wenden wir bereits professionell.

Angekommen fangen wir an, unsere „Puppenstube“ einzurichten, mit Kerzchen und den Tisch voll Haribo und Leckereien. Wir hätten locker essen gehen können, aber wir kochen lieber selbst, um gammelnd zuhause bleiben zu können. Urlaubsgefühl gleich bei Ankunft.

Am nächsten Morgen machen wir auf den Weg zum 5 Minuten entfernt liegenden Thermaalbad Arcen. Wir erwarten einen Wellnesspark mit Sauna und schönen Bädern, als Highlight eine Hamam-Massage nach original marokkanischer Art.

Machen wir es kurz: er ist alles ganz anders, als wir uns das vorgestellt haben und das ist auch gut so. Denn fällt die Belustigung allzu umfangreich und belustigend aus, wird man zu sehr voneinander abgelenkt. Ist die Sauna dagegen klein und hässlich, konzentriert man sich aufs Wesentliche.

Der Wellnesspark Arcen ist ziemlich klein und in die Jahre gekommen, man muss für viele Dinge noch extra Mutter-Tochter Wochenendebezahlen, was eigentlich im Preis (vor allem bei dem, den sie nehmen) enthalten sein sollte (z.B. Nutzung der Dampfsauna), manche Anwendungen funktionieren nicht, selbst wenn man für sie bezahlt (z.B. die Dampfsauna). Der Beauty-Bereich wird von einer Monster-Klimaanlage beherrscht, die einem unentwegt kalte Luft auf den Rücken pustet und man mit steifem Nacken die Massage verlässt. Keine duftenden Aromen, keine schöne Musik, dafür Stirnhöhlenschmerzen, weil man mit dem Gesicht auf einem viel zu harten Loch liegt.

Doch statt uns zu ärgern, müssen wir lachen, denn wir denken an Disneyworld, unserem ersten Trip vor 3 Jahren, wo wir der Mittelmäßigkeit des Parks mit einer guten Prise Humor begegnen mussten und somit ein Wochenende voller Lachen bekamen. Auch im Thermaalbad Arcen stoßen wir auf Mittelmäßigkeit und tun wieder dasselbe: Wir lachen darüber, es gibt viel zu lachen und somit verbringen wir einen Tag voller Freude.

Höhepunkt der Freude waren drei Massagestühle, die man mit Münzen zum Leben erwecken kann (4 € / 9 Minuten). Wir wissen nicht, dass alle drei Stühle unterschiedlich massieren, als wir dies jedoch herausfinden, probieren wir sie alle aus. Nicht etwa, weil sie so gut tun, eher wegen des genauen Gegenteils: jeder Stuhl traktiert physiotherapeutisch fatal jeweils andere Bereiche und wir kommen aus dem ungläubigen Staunen über die absurd walzenden Gerätschaften nicht mehr raus. Heftig ist die Quetschfunktion der Beine, die nichts Gutes bringt aber eine Flucht verhindert. Die Ganzkörper-Schüttel-und-Rumpel-Funktion lässt uns von außen betrachtet enorm blöd aussehen (und es betrachten uns viele Menschen von außen) während wir eine andere Funktion an der Stelle nicht mal mehr beschreiben wollen, sie lässt uns nur verstört zurück. Wir rätseln über den Sinn noch bis spät in die Nacht. Im Bistro stopfen wir uns mit Fritten und Kip Saté voll, denn auch hier darf man auf keinen Fall Vergleiche zum Mediterana in Refrath anstellen.

Aber egal: das Wesentliche ist erfüllt: wir haben einen extrem lustigen Tag. Operation erfolgreich. Die Programm-Wahl war bestens.

 

Venlo und das Frittenfett

Am Sonntag dürfen wir netterweise den Camper bis abends auf dem Platz stehen lassen, so dass wir nur mit dem Auto nach Venlo fahren und beim Stadtfest eine kleine Shoppingtour ohne Shoppen machen können. Wir werden an jeder Ecke mit live-Musik versorgt. Eine mittelmäßige Portion Backfisch beschert uns Bauchschmerzen und das gute Gefühl zu wissen, wo man den besten Backfisch der Welt bekommt: entweder auf dem Haagse Markt (in Den Haag) oder zu Hause von Patrick.

Nach einem irgendwie traurigen Nachmittag, in dem die Abfahrt die ganze Zeit in der Luft hängt, fahren wir zurück und beschliessen, irgendwann das Mutter-Tochter-Wochenende um das –nende zu erleichtern.

Der nächste Wochen-Trip kommt bestimmt.

 

 

 

 

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