Was eine Schnapsidee

1 x im Jahr treffen wir uns mit Sabine und Stefan, sitzen zusammen, erzählen, albern herum, diskutieren und trinken im Laufe des Abends bis spät in die Nacht wieder viel zu viel. In genau so einer Laune wird die Idee geboren: Sabine und ich wollen zusammen eine Reisen machen. Die Reise soll uns herausfordern, wie: Sibirien im Winter, zum Beispiel. Wir lachen und lassen es auf sich beruhen.

Winter 2019: Die Sibirien-Idee hat zwischenzeitlich in uns weiter gearbeitet und aus der Idee wird eine abgemachte Sache. Mit Handschlag. Prost! Die Reise steht und wird auf Februar 2022 terminiert.

Damit beginnt die Reise…

Sibirien im Winter

… und zwar mit der Transsibirischen Eisenbahn. Von Wladiwostok nach Moskau. 9.288 km.

Die Reise beginnt im Kopf. Kurz vor dem Handschlag. Was verspreche ich mir davon? Kann das zusammen klappen? Sabine meint ihren Handschlag verbindlich, ich horche tief in mich hinein und schlage dann ein. Deal. Der Deal gilt. Ich meine es ebenfalls verbindlich. Weil ich vorher überlege, was ich will und wenn ich dann „ja“ sage, ist es ein „Ja!“. So tickt auch Sabine. Ich kann mich auf sie verlassen, deshalb möchte ich mir ihr reisen.

Und noch etwas haben Sabine und ich gemein: wir gehen beide gerne mal über den Rand der Komfortzone hinaus, solange es nicht lebensgefährlich wird. Für mich ist es schon zu lange her, dass ich meine Komfortzone verlassen habe. Ich sehne mich nach dem Fieber des Aufbruchs und der Erfahrung, wenn man seine Fähigkeiten wirklich wieder in die Waagschale werfen muss. Ich will spüren, was ich bin. Seit ich mit 19 das erste Mal ins kalte Wasser gesprungen bin, weiß ich, dass das kalte Wasser in Wirklichkeit der warme Strom des wahren Lebens ist.

Planung

Diese Reise enthält gleich eine ganze Reihe an Herausforderungen.

  • Eiseskälte bis -40°
  • die kyrillische Sprachbarriere
  • die individuelle Reiseplanung
  • das Budget
  • das Einhalten der Antragsfristen

Dass wir uns 2 Jahre Zeit geben ist mehr als vernünftig. Denn ich werde nicht in dieses große komplexe Land fahren, ohne die Sprache zu kennen. Sabine hat da einen Vorteil: sie hat in der Schule bereits russisch gelernt. Das ist eine gutes Gefühl für mich. Aber für den Fall, dass ich verloren gehen sollte, möchte ich gerne selber überlebensfähig sein, weil Englisch dort immer noch nicht etabliert ist. Erst recht nicht in den verlorenen Weiten der Taiga.

Und da geht es auch schon los: was weiß ich überhaupt über dieses Land? Eigentlich gar nichts. Wie funktioniert das mit der Transsisibischen Eisenbahn? Wo fährt sie lang? Was kostet sie, wie läuft das ab, welche Kleidung brauche ich, was kostet das alles insgesamt?

Bevor ich mir auch nur eine Frage beantworten kann, richte ich mir schon mal einen Sparauftrag ein.

Dann lade ich mir die Babbel-App herunter und fange an, russisch zu lernen. Später erfahre ich, dass die Frau meines angeheirateten Schwagers Russisch unterrichtet, also führe ich den Unterricht mit ihr fort. Das macht in jedem Fall Sinn, denn auf diese Weise komme ich ans Sprechen und erhalte viel Insiderwissen.

Und dann geht es los mit der Recherche

Schnell merke ich, dass es erstaunlich wenige nützliche Informationen zur Transsibirischen Eisenbahn im Netz gibt. Die Pauschalreiseanbieter tummeln sich auf den vorderen Seite von google, dann wird es dünn. Ein paar Reiseberichte, aber kaum handfestes Hilfsmaterial, das mir überhaupt eine Vorstellung erlaubt. Doch die brauche ich ganz dringend vorab. Dann stoße ich auf den blog von www.transsib-tipps.de und bin glücklich. Danke Danke Danke für all das praktische Wissen, das ich mir ausdrucken durfte um endlich ein Gefühl für den Ablauf zu bekommen. Dieser blog ist die Basis aller weiteren Planungen.

Von jetzt an…

… halte ich Euch auf dem Laufenden in Sachen „Projekt Transsib“. Quasi in Echtzeit zum Mitgehen.

23. Januar 2021

Welche Kleidung?

Mist. Durch den lockdown kann man nicht einfach mal zu Globetrotter und sich umfassend beraten lassen. Die Kältekammer dort würde ich bei der Gelegenheit auch mal ausprobieren wollen, um zu fühlen, wie kalt -40° C überhaupt sind. Also recherchiere ich mich stattdessen quer durchs Internet. Von Expeditions-Daunenjacken bis hin zu Thermo-Handschuhen für Fotografinnen. Das speichere ich mir mal gleich in der eigens eingerichteten Firefox-Sammlung „Transsib“ ab.

Und überhaupt: was muss ich beim Fotografieren in Eiseskälte grundsätzlich beachten? Die Frage nach der richtigen Kamera läuft nun als Programm in meinem Hinterkopf.

17. Mai 2021

Hält der Termin?

Ich habe youtubovich entdeckt. Ich lache mich tot, erfahre nebenbei vom auf Transsib-Reisen beliebten russischen Kartenspiel Durak und sehe mich vor meinem geistigen Auge schon im Abteil mit Sabine, Chips, Russen und Wodka Durak spielen. Ich könnte gleich losfahren.

Aaaaber: es sieht derzeit nicht gut aus in Sachen Corona und Sibirien. Es scheint, als würden wir die Reise um ein Jahr verschieben müssen. Meine Motivation, russisch zu lernen, erhält einen schweren Dämpfer. Immerhin: die Basics stehen. Ich kann Kyrillisch lesen, mich vorstellen, etwas smalltalken und Borsch bestellen. Ob die Russen meine Sprache aber auch als russisch identifizieren können, weiß ich nicht.

18. Juni 2021

Expeditions-Jacke gekauft

Fjällräven W EXPEDITION DOWN JACKET, Navy

Es sind 40°C im Schatten und ich kaufe eine Jacke für Temperaturen bis -40°C. Das Anprobieren ist unerträglich, aber der Preis ist unschlagbar. Mein neues platzraubendes Baby heißt „Fjällräven W EXPEDITION DOWN JACKET, Navy“ und kostet statt 650 € „nur“ 450 €. Und ist mit L eigentlich eine Nummer zu groß. Aber sie war in L günstiger und es passt mehr Zeug darunter. Der Preis tut weh. Wie groß ist wohl der Schmerz, wenn man alle Anschaffungen auf einen Schlag tätigt?


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